21. Juni 2006, 15:43
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Die französische Tageszeitung "France Soir", die auf Grund eines Belegschaftsstreiks seit dem 13. April nicht erschienen ist, kam am heutigen Mittwoch erstmals wieder in den Handel. Das vom Konkurs bedrohte Traditionsblatt war im April von einem Handelsgericht in Lille dem Geschäftsmann Jean-Pierre Brunois und dem Sportjournalisten Olivier Rey zugesprochen worden. Ein Rekurs der Belegschaft gegen die Inhaberwechsel wurde am 17. Mai abgelehnt.

"Klatschblatt"

Die Angestellten widersetzten sich dem Projekt von Brunois und Rey, weil einerseits der Abbau von 83 der insgesamt 148 Posten vorgesehen war und die Zeitung andererseits in ein "Klatschblatt" verwandelt werden soll. Die neue Ausgabe umfasst 32 Seiten, zu denen acht Seiten kommen, die Pferderennen gewidmet sind. Die Zeitung erschien in einer Auflage von 150.000 Exemplaren, nachdem sie sich zuletzt nur 35.000 Mal am Tag verkauft hatte.

"France Soir" soll künftig verstärkt Society-Nachrichten enthalten, aber auch über Politik und Wirtschaft berichten. In der ersten Nummer am Mittwoch ist ein Foto mit dem Popstar Mariah Carey auf der Titelseite zu sehen, die dem Blatt ein Interview gab. Die Belegschaft hatte besonders heftig protestiert, weil nach ihren Angaben die Abschaffung der Politik- und Kulturseiten geplant sei. "Man hat uns viele Unterstellungen gemacht. Man muss warten, das fertige Produkt zu sehen und uns nach dem zu beurteilen, was wir machen", meinte Chefredakteur Francois Mattei.

Die 1944 gegründete Zeitung, die sich zu ihren besten Zeiten bis zu eine Million Mal am Tag verkaufte, ist seit vergangenem Oktober zahlungsunfähig. Sie erreichte 1961 eine Auflage von 1,1 Mio. verkauften Exemplaren. Zuletzt erschien das Blatt am 14. April in einer Sondernummer mit dem Titel "Resistance" (Widerstand). (APA)

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