Ab September soll stufenweise das analoge Fernsehen abgeschaltet werden - Ist die EU schuld? Wer zahlt die Umstellungskosten?
Einem EU-Mythos zufolge soll das Fernsehen schon bald nur mehr für KonsumentInnen mit digitalen Fernsehgeräten möglich sein. Schuld daran: die Vorgabe der EU, das analoge Fernsehen demnächst abzustellen.
Tatsächlich ist in den letzten Jahren in ganz Europa die schrittweise Umstellung von analogem auf digitales terrestrisches Fernsehen im Gange. Das "Fernsehen des 21. Jahrhunderts" wurde in Österreich auch schon getestet. Vorteile: Programmvielfalt, Mehrwegeempfang, flächendeckende Versorgung, keine laufenden Gebühren an den Kabelbetreiber, etc.
Umstellung bis 2012
Die EU steht hinter dieser - von den Fernsehsendern forcierten - Entwicklung und übt auch einen gewissen Druck auf die Nationalstaaten aus, deren Regierungschefs 2004 beschlossen haben, die Umstellung etwa 2010 abzuschließen. Die EU-Kommission selbst empfiehlt eine Umstellung bis 2012.
In Österreich soll der Regelbetrieb für
digitales terrestrisches Fernsehen am 27. September 2006 aufgenommen werden. Die ersten österreichischen Haushalte in
den neun Landeshauptstädten und Umgebung können ab dann ORF1, ORF2 und ATVplus
digital über Antenne empfangen. Ab dem Frühjahr 2007 wird mit
der endgültigen Umstellung auf DVB-T (Digital Video Broadcasting-Terrestrial) begonnen. Dann können die drei
österreichischen Sender nur mehr digital über Antenne empfangen
werden. Die komplette Abschaltung aller analogen TV-Frequenzen werden bis spätestens 2010 erfolgen.
Kosten für die KonsumentInnen
Gewohntes Problem: Zwar wurden die Weichen für die Zukunft gestellt, aber nicht geklärt, wer die Kosten übernimmt, die unter Umständen die Privathaushalte treffen. Derzeit sind 40 Prozent der österreichischen Haushalte nicht digital gerüstet und empfangen analog mit Dach- oder Zimmerantenne. Die politisch Veranwortlichen gehen davon aus, dass bis 2010 alle Fernsehgeräte im Umlauf digitaltauglich sein werden. Wer dann noch an einem alten Gerät fernsehen will, hat Pech gehabt. Für alle, die bereits einen Digital-Receiver haben oder Fernsehen über Kabel oder Internet konsumieren, ergeben sich keine Zusatzkosten.
Die Rundfunk & Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH) fördert die Umstellung des Antennfernsehens von analog auf digital mit 40 Euro-Gutscheinen für die ersten 100.000 KundInnen, die in den Märkten eine settop-box kaufen. Grundgebührenbefreite KonsumentInnen erhalten ebenfalls diese Gutscheine. Finanziert werden diese Fördermaßnahmen aus dem Digitalisierungsfonds, der im Jahr 2005 als erlaubte staatliche Beihilfe von der Europäischen Kommission notifiziert wurde. (mhe)