Scheich Nur Barud kündigt "Kampf gegen Ungläubige" an

12. Juni 2006, 15:27
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Höchster somalischer Geistlicher verweist auf Warlord-Unterstützung durch die USA

Mogadischu/Laredo - Nach dem Sieg islamistischer Milizen im Kampf um die somalische Hauptstadt Mogadischu hat der höchste Geistliche des Landes zum Kampf gegen alle "Ungläubigen" aufgerufen. "Das ist ein Kampf zwischen den Anhängern des Islams und gottlosen Eroberern und jenen, die sie unterstützen", sagte Scheich Nur Barud in einer Radioansprache mit Blick auf die Unterstützung einer Gruppe von Warlords durch die USA. Er forderte seine Landsleute zur Verteidigung der islamischen Gerichte auf.

Aufflammen der Kämpfe wahrscheinlich

In seiner Rede betonte Nur Barud, dass die heftigen Kämpfe in Mogadischu in den vergangenen Tagen aus seiner Sicht keine Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Clans seien: "Das ist ein Krieg gegen die Ungläubigen", sagte er. Mit dem Aufruf erschien ein Wiederaufflammen der Gefechte zwischen islamistischen Kämpfern und der Milizen-Allianz ARPCT wahrscheinlich. Das von den USA unterstützte Bündnis von Warlords hatte am Montag nach monatelangen Kämpfen um die Vorherrschaft in Mogadischu eine schwere Niederlage erlitten.

Ein Unterclan des Hawiye-Stammes, der den nördlichen Teil Mogadischus kontrolliert, hatte allerdings Widerstand gegen den wachsenden Einfluss der Islamisten angekündigt. Neue Kämpfe drohten auch in Jowahr, der 90 Kilometer nördlich von Mogadischu gelegenen letzten großen Bastion der ARPCT. "Wir werden unsere Stadt bis zum Tod verteidigen", sagte Jendayi Dheere, ein Bruder des Kriegsherren und ARPCT-Gründungsmitgliedes Mohamed Dheere.

Zufluchtsort für El Kaida-Anhänger

Das seit 1991 von einem Bürgerkrieg zerrüttete Somalia gilt als Zufluchtsort für Anhänger des Terrornetzwerks El Kaida. Clanchefs stürzten damals Diktator Mohammed Siad Barre. Seitdem gibt es in dem bitterarmen Land am Horn von Afrika keine funktionierenden staatlichen Institutionen mehr. Das vor anderthalb Jahren ins Leben gerufene Übergangsparlament, der Präsident und die Regierung besitzen keine Autorität.

Washington hat seine Hilfe für die ARPCT offiziell weder bestätigt noch dementiert. US-Regierungsmitarbeiter räumten gegenüber der Nachrichtenagentur AFP allerdings ein, dass das Bündnis Geld und Geheimdienstinformation erhalten habe. Damit sollte eine Übernahme der Macht durch die Islamisten verhindert werden. (APA/AFP)

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