Letzte Rettungsaktion für Ölkonzern Yukos

22. Juni 2006, 15:20
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Gläubigerversammlung am 16. Juni

Moskau - Alle Konten und Aktiva des einst größten und mittlerweile filetierten russischen Ölkonzerns Yukos sind eingefroren, Top-Manager wie Ex- Chef Michail Chodorkowski sitzen im Gefängnis, andere haben das Land fluchtartig verlassen – vorwiegend nach Israel. 29,5 Mrd. Dollar (23 Mrd. Euro) verlangen der russische Staat und andere Gläubiger vom Konzern, 11,5 Mrd. Dollar allein an Steuernachforderungen.

Für 16. Juni hat der vom Moskauer Schiedsgericht eingesetzte interimistische Yukos-Verwalter Eduard Rebgun die Gläubigerversammlung im Rahmen des Konkursverfahrens einberufen. Das endgültige Aus für den Konzern ist demnach in greifbare Nähe gerückt.

Zu Wochenbeginn nun hat der nach London abgewanderte Präsident Steven Theede einen Plan zur finanziellen Sanierung des Konzerns vorgelegt und Rebgun um die Diskussion darüber bei der Gläubigerversammlung gebeten. Damit will die Konzernführung die Kontrolle über die Schlüsselaktiva behalten, deren Wert sie selbst mit 20,6 Mrd. Dollar veranschlagt.

Katz-und-Maus-Spiel

Allem Anschein nach handelt es sich um das letzte Kapitel im Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem Yukos-Konzern und der russischen Regierung. Begleichen will Yukos die Schulden bis zum 15. März 2008 – und zwar mit dem Verkauf einiger Aktiva und eigenen Erlösen aus dem Erdölverkauf. Die dafür vorgesehenen Aktiva sollen knapp neun Mrd. Dollar einbringen, der 20-prozentige Yukos- Anteil an der ehemaligen Gesellschaft "Sibneft", die im Vorjahr von Gasprom geschluckt wurde, allein 4,2 Mrd. Dollar. 1,5 Mrd. Dollar soll der Verkauf der Anteile an der litauischen Großraffinerie Mazeikiu Nafta an den polnischen Ölkonzern PKN Orlen bringen.

Vor allem mit seinem Hauptgläubiger, dem staatlich-russischen Ölkonzern Rosneft, will Yukos einen Ausgleich finden. Rosneft hatte 2004 die größte Yukos-Fördertochter Yuganskneftegas (YNG) bei einer Zwangsversteigerung erworben und fordert über sie von Yukos nun – inklusive übernommener Schulden – knapp drei Mrd. Dollar.

Rosneft spitzt auf Yukos

Im Sanierungsplan schlägt Yukos nun vor, dass YNG statt der Forderungen 12,5 Prozent Aktien an Yukos erhält. Dass Rosneft darauf einsteigt, halten Beobachter für unwahrscheinlich, da die Papiere bei einem Yukos- Bankrott stark abfallen würden. Vielmehr dürfte sich gerade Rosneft, das sich soeben für das umstrittene IPO rüstet, die restlichen großen Yukos-Leckerbissen, wenn nicht überhaupt den gesamten Schrumpfkonzern einverleiben.

Selbst wenn Yukos die Kontrolle über seine Schlüsselaktiva mit einem geschätzten Wert von 15 Mrd. Dollar vorerst behalten und so achtgrößter russischer Ölkonzern bleiben kann, feit ihn das nicht gegen die Gefahr, im Zuge der derzeitigen Konsolidierung in der Branche geschluckt zu werden. (Eduard Steiner, Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.7.2006)

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