Ferrari-Kauf zwingt Fiat zu Verkäufen

19. Juni 2006, 16:02
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Um den geplanten Ferrari-Rückkauf um rund 850 Millionen Euro zu finanzieren, muss der italienische Autokonzern Fiat Beteiligungen abstoßen

Mailand -Italiens Mischkonzern Fiat verkauft Beteiligungen, um die vor vier Jahren abgegebenen Anteile am Sportwagenhersteller Ferrari zurückzukaufen. Die Liftanlagen des Wintersportortes Sestriere, Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2006, wurden bereits an eine Gruppe Turiner Unternehmer abgegeben. Als Preis werden rund 30 Mio. Euro genannt. "Sestriere zählte nicht zu unseren strategischen Beteiligungen," begründete ein Fiat-Sprecher den Verkauf.

Für Luxus ist bei Fiat derzeit kein Spielraum. Der Konzern muss sparen und kann sich nicht mehr die Lieblingsanlagen seines Ex-Präsidenten, des verstorbenen Giovanni Agnelli, leisten. Fiat beabsichtigt nun auch die "historische" Beteiligung an der renommierten Mailänder Investmentbank Mediobanca abzugeben. Mit dem Erlös aus dem 1,8-prozentigen Beteiligungsverkauf von erwarteten 230 Mio. Euro soll der Ferrari-Rückkauf mitfinanziert werden.

Kaufoption bis Ende Juni

Fiat hat am Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2002 rund 34 Prozent der Ferrari-Anteile zum Preis von 775 Mio. Euro an Mediobanca abgegeben und eine Kaufoption ausgehandelt. Diese läuft Ende Juni 2006 ab. Fiat steckt zwar nicht mehr in der Finanzklemme.

Da der Konzern aber unter kritischer Beobachtung der Ratingagenturen steht, soll der Ferrari-Rückkauf für rund 850 Mio. Euro aus frischen Mitteln finanziert werden. Angeblich sei auch Mediobanca interessiert, die 1,9 Prozent Anteile an Fiat zu verkaufen. Ein Fiat- Unternehmenssprecher bestätigte Verhandlungen mit Mediobanca.

Kolportiert wird, dass nicht alle Mitglieder der Unternehmerfamilie Agnelli, die über die Holding Ifil 30 Prozent der Fiat-Anteile kontrolliert, mit dem Verkauf der bisher als strategisch angesehenen Mediobanca-Anteile einverstanden sind. Mailänder Finanzkreise vermuten in den nicht dementierten Verkaufsabsichten einen geschickten Schachzug von Konzernchef Sergio Marchionne, um den Rückkaufpreis zu senken.

Der Verkauf der Fiat-Beteiligung an Mediobanca ist auch deshalb schwierig, weil Fiat dem Aktionärsbündnis der Mailänder Bank angehört. Dieses kontrolliert 54 Prozent der Mediobanca-Anteile und läuft erst im Frühjahr 2007 ab.

Mediobanca hält direkt noch 11,6 Prozent der Ferrari- Beteiligung, weitere 17,4 Prozent wurden bei Banken (darunter auch Commerzbank) geparkt. Fünf Prozent der Ferrari-Beteiligung wurden vor ei 5. Spalte nem Jahr an den Investmentfond Mubadala aus Abu Dhabi zum Preis von 114 Millionen Euro verkauft. Damit wurde die Rennsporttochter von Fiat mit 2,28 Milliarden Euro bewertet.

Fiat-Konzernchef Sergio Marchionne will auch die Beteiligung von 51 Prozent an der Auto-Finanzierungsgesellschaft Fidis verkaufen. Mehrere ausländische Kandidaten, darunter auch die Deutsche Bank, BNP Paribas, Crédit Agricole und Société Générale, sind in der Shortlist.

Einen Börsegang für Ferrari plant Fiat vorerst nicht. "Für mindestens zehn Jahre möchte ich davon nicht mehr sprechen", zitierte die Zeitung "La Stampa" am Donnerstag Fiat-Präsident Luca di Montezemolo. (Thesy Kness-Bastaroli, Mailand, DER STANDARD, red, 8.6.2007)

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