"The Omen": Satanisches Stirnrunzeln

8. Juni 2006, 00:34
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Horrorfilm-Remake: "The Omen" rund um den Teufel als böses Kind wurde einfallslos neu verfilmt

Die Serie an Horrorfilm-Remakes reißt nicht ab: Nun wurde die Prestigeproduktion "The Omen" rund um den Teufel als böses Kind einfallslos neu verfilmt. Derzeit im Kino.


Wien – Was Remakes betrifft, ist Originalität von vornherein ein eher diffiziles Unterfangen. Zumindest der Starttermin – der 6.6.2006 – ist im Fall der Neuverfilmung von The Omen dahingehend gut gewählt. Ansonsten gilt: Der Teufel kommt dahin, wo das Geld ist. Nach anderen Horrorfilmen der 70er-Jahre wie The Texas Chain Saw Massacre, The Hills Have Eyes oder Dawn of the Dead hat sich Hollywood nun auch jener Arbeit angenommen, die schon damals mehr auf bürgerliche Publikumsschichten abzielte.

The Omen im Jahr 1976 war eine Prestigeproduktion, die sich am Erfolg von The Exorcist orientierte und dem Genre mit einer hochkarätigen Besetzung (Gregory Peck und Lee Remick) sowie solide in Szene gesetzten Schauwerten eine neue Seriosität verleihen wollte. Anders als seine schmuddeligen Vorgänger übte er sich inhaltlich in Dezenz. Das Böse kam in Form eines kleinen Beelzebubs aus good old Europe, und familiäre Werte standen nicht zur Diskussion, sondern wurden affirmativ behandelt.

Daran hat sich auch nun in John Moores Remake – das Drehbuch stammt erneut von David Seltzer – nichts geändert. Mit Anspielungen auf 9/11, den Hurrikan "Katrina" und den Tsunami wurde es zwar oberflächlich zeitgemäß getrimmt, das Fanal für eine drohende Apokalypse setzt aber immer noch der Knabe Damien (Seamus Davey-Fitzpatrick), der in eine wohlsituierte US-Diplomatenfamilie verpflanzt wird und mit Stirnrunzeln anzeigt, dass er diabolische Absichten verfolgt.

Moore hält sich erstaunlich streng an die Szenenabfolge des Originals, kaschiert wie dieses schon Leerläufe mit pompöser Musikuntermalung und visuellen Klischees wie dem redundanten Einsatz von Donner und Blitz. Stilistisch herrscht vor allem Unentschiedenheit. Eine Reise nach Italien, um die Herkunft des Kindes zu klären, wirkt durch seine Anhäufung von Mönchsfratzen wie ein Bonustrack aus The Da Vinci Code, während die von Damien in Gang gesetzten Tötungsmaschinen, in den 70er-Jahren noch ein Novum, mittlerweile zum Standard von Serienschockern gehören.

Ein zumindest kleiner Coup gelingt dem Film mit der Besetzung von Damiens (Stief-)Vater durch Liev Schreiber, der ähnlich zurückhaltend agiert wie bereits in Jonathan Demmes The Manchurian Candidate: eine bemitleidenswerte Marionette böser Kräfte, bedrängt von kirchlichen Hysterikern (Pete Postlethwaite als Pfarrer) und einer rotbackigen Teufelsnanny (Mia Farrow, nahe am Parodistischen). Das erhöht zwar nicht die Relevanz des Films, vermag aber von seiner Unnotwendigkeit ein wenig abzulenken. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.6.2006)

Von
Dominik Kamalzadeh
  • Ein Satansbraten und sein vierbeiniger Aufpasser: Seamus Davey-Fitzpatrick als Damien in John Moores Neuverfilmung von "The Omen"
    foto: centfox

    Ein Satansbraten und sein vierbeiniger Aufpasser: Seamus Davey-Fitzpatrick als Damien in John Moores Neuverfilmung von "The Omen"

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