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11. Juni 2006, 17:30
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Kurt Angerer zählt zu jenen Winzern, die im Ausland bekannter sind als hier zu Lande, was sich aber schön langsam ändert

Die Milchtanks und Milchtankwägen im Hof beeindrucken. Kurt Angerer, Winzer in Lengenfeld, das zwischen Krems und Langenlois liegt: „Als ich begonnen habe, hatte ich wenig Geld für Edelstahltanks. Die Milchtanks waren aus Edelstahl und sie waren eine kostengünstige und gut funktionierende Möglichkeit für meine Zwecke“, erzählt Angerer. Dann habe er alles verdiente Geld in den Weinbau gesteckt, denn „mein Traum war immer, gute Weine zu machen und nicht einen Porsche zu fahren.“

Kurt Angerer und sein Vater besitzen zusammen 38 Hektar Rebflächen, von denen 23 bis 24 von Kurt bewirtschaftet werden. Fast Zweidrittel der gesamten Rebflächen sind mit Grünem Veltliner bepflanzt, dazu kommt ein kleiner Anteil von etwa sieben Prozent mit den restlichen weißen Sorten Riesling. Auf etwa einem Drittel der Angererschen Flächen stehen Rotweine, ein relativ hoher Anteil für die Gegend, „den ich aber nicht missen wollen würde“, so Angerer, der unter anderem Syrah gepflanzt hat. In sehr heißen Jahren wie zum Beispiel 2003 oder 2000 hätte man hier auch sehr gute Bedingungen, „fast wie im Burgenland“, dazu mit der besseren Kellertechnik könnten jetzt viel bessere Rotweine hergestellt werden. Die Weingärten, die er teilweise von seinen Vorgängern übernommen hat, wurden völlig „umerzogen“, ein zweiter Draht gespannt und „tiefer gelegt“, um höhere Laubwände zu erhalten. Er profitiert heute von gesunden Anlagen, die meist älter als 30 Jahre sind.

Kurt Angerer zählt mit rund 85 Prozent der Gesamtproduktion zu den Exportweltmeistern, was er in seiner realitätsnahen und bodenständigen Art als gegeben hinnimmt. In der Zwischenzeit wird er auch hierzulande stärker wahrgenommen. Mitte der 90-er Jahre gehegte Pläne, nach Australien auszuwandern, habe er fallen gelassen, nachdem er gemerkt hatte, dass der Weinverkauf ins Ausland auch hierzulande nach dem EU-Beitritt 1995 leichter geworden war. Die Familie ist sei 1848 im Weinbau, Kurt hat die Fachschule Krems absolviert, aber viel von seinem „Opa gelernt“, wie er erzählt. „Und ich habe viel gelesen, alle Bücher, technologisches wie marketingmäßiges oder Verkostungsbücher.“

Kurt Angerer baut seine Weine, vor allem seine Grünen Veltliner nach Bodentypen aus. Eine Idee, die Zufall war, wie er erzählt. 1999 versuchte man Namen für Weine zu finden. „Lengenfeld hat nun einmal keine berühmten Namen wie ,Heiligenstein’ zum Beispiel. Die Weine auf den unterschiedlichen Böden schmeckten alle völlig anders.“ Also beschloss er diesen kleinen Mikrokosmos, konsequenter und noch strenger umzusetzen und nannte seinen Veltliner großteils auch nach den Bodentypen „Kies steht auf Rotem Schotter mit Kalk, Loam auf Löss, Spies auf Granit“. Für den Grünen Veltliner Unfiltered 2003, der spontanvergoren ist und zu 100 Prozent neues Holz hatte, erhielt er von der US-Fachzeitschrift Wine Spectator 92 Punkte und die Weine können schon einmal kräftiger ausfallen, wirken aber alle miteinander nicht zu mächtig und sind immer balanciert.

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Weingut Kurt Angerer
Schickenberggasse 4
3552 Lengenfeld

Tel. 0676/365 57 87
Fax: 02719/8424
3552 Lengenfeld
kurt.angerer@aon.at

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    foto: angerer
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