Stichwort: Zentralrat der Juden in Deutschland

14. Juni 2006, 15:36
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Oberste Vertretung von über 100.000 Menschen jüdischen Glaubens

Frankfurt/Main - Der Zentralrat der Juden in Deutschland, der am Mittwoch Charlotte Knobloch zur neuen Präsidentin wählte, ist die oberste Vertretung der über 100.000 Menschen jüdischen Glaubens in der Bundesrepublik Deutschland. Er wurde 1950 als Dachorganisation der jüdischen Gemeinden und ihrer Landesverbände gegründet. Sein Sitz war lange Jahre in Bonn, bis er 1999 nach Berlin-Mitte in das Leo-Baeck-Haus verlegt wurde. Dort hatte sich von 1872 bis 1942 das Haus der Wissenschaft des Judentums befunden.

Der Dachverband vertritt die gemeinsamen Interessen der jüdischen Gemeinden und ihrer Landesverbände gegenüber Staat und Öffentlichkeit, fördert das religiöse und kulturelle Leben und setzt sich für die Erhaltung des geschichtlich-kulturellen jüdischen Erbes in Deutschland ein. Derzeit gehören dem Zentralrat 87 jüdische Gemeinden mit rund 103.000 Mitgliedern in ganz Deutschland an.

Nachfolgerin von Spiegel

Knobloch ist als Nachfolgerin des verstorbenen Paul Spiegel die erste Frau an der Spitze des Präsidiums. Vor ihr hatten fünf Männer diese Position inne: Heinz Galinski von 1954 bis 1963 und dann erneut von 1988 bis 1992, Herbert Lewin von 1963 bis 1969, Werner Nachmann von 1969 bis 1988, Ignatz Bubis von 1992 bis 1999 und Paul Spiegel 2000 bis zu seinem Tod am 30. April 2006. Regulär wird der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland alle drei Jahre vom zuletzt siebenköpfigen Präsidium, einer Art Exekutivgremium des Organs, gewählt. Daneben hat er eine Ländervertretung, das Direktorium, dessen Zusammensetzung wiederum von der Ratsversammlung (Parlament) mit mehr als 100 Vertretern bestimmt wird.

Der 73-jährigen Knobloch stehen zwei Vizepräsidenten des Zentralrats als Stellvertreter zur Seite: Das ist zum einen der 62-jährige Architekt Salomon Korn, der dieses Amt schon bisher bekleidet hat und auch Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main ist. Neu als Vizepräsident gewählt wurde am Mittwoch Dieter Graumann, der ebenfalls in Frankfurt wohnt und als Finanzexperte gilt.

Mit dem Zentralrat verbunden sind die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, die Wochenzeitung "Jüdische Allgemeine", der Jüdische Pressedienst und die Heidelberger Hochschule für Jüdische Studien. Direkt oder indirekt ist der Zentralrat Mitglied der internationalen jüdischen Organisationen European Council of Jewish Communities, European Jewish Congress, World Jewish Congress, Jewish Claims Conference und World Jewish Restitution Organization.

Die größte jüdische Gemeinde in Deutschland mit rund 12.000 Mitgliedern ist die in Berlin. An zweiter Stelle folgt mit München mit mehr als 9.000 vor Frankfurt am Main mit gut 7.000. Die Zahl der Juden in Deutschland hat durch Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion seit 1990 stark zugenommen. Ihre Integration sieht der Zentralrat als vorrangige Aufgabe. (AP)

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