Charlotte Knobloch ist neue Präsidentin des Zentralrats der Juden

9. Juni 2006, 15:48
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Erste Frau an Spitze der politischen Vertretung der jüdischen Gemeinschaft - Kritik an "Beschwichtigungs-Politik" gegenüber Iran

Frankfurt/Main - Die 73 Jahre alte Charlotte Knobloch ist neue Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Nach dpa-Informationen wählte der Zentralrat Knobloch am Mittwoch in Frankfurt einstimmig bei ihrer eigenen Enthaltung zur Nachfolgerin des Ende April gestorbenen Paul Spiegel. Die bisherige Vizepräsidentin ist damit die erste Frau an der Spitze der politischen Vertretung der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland.

Knobloch ist seit 1985 Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Sie hatte bereits zum zweiten Mal für das Amt kandidiert: Im Jänner 2000 wollte sie die Nachfolge des im August 1999 gestorbenen Ignatz Bubis antreten, unterlag damals aber in einer Kampfabstimmung Paul Spiegel. Für Knobloch rückt als Vizepräsident neben Salomon Korn aus Frankfurt Dieter Graumann nach, der ebenfalls aus der Main-Metropole kommt.

Der Zentralrat als höchste politische und religiöse Repräsentanz der jüdischen Gemeinschaft spricht für die etwa 100.000 Juden in Deutschland. Die Zahl hat sich in den vergangenen Jahren vor allem durch die Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion deutlich erhöht. Vor dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust lebten etwa 600.000 Juden in Deutschland.

Knobloch kritisiert "Beschwichtigungs-Politik" gegenüber Iran

Die neu gewählte Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, hat die Iran-Politik der internationalen Gemeinschaft als zu nachgiebig angegriffen. "Die Appeasement-Politik, die hier betrieben wird, ist etwas, was ich aus historischer Erfahrung kenne", sagte Knobloch nach ihrer Wahl am Mittwoch in Berlin. Als "appeasement" (englisch für Beschwichtigung) wird die Politik vor allem Großbritanniens gegenüber Nazi-Deutschland Ende der 30er Jahre bezeichnet, dessen Expansionsdrang als Vorbote des 2. Weltkriegs gesehen wird.

Die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich) und Deutschland haben sich auf ein Paket aus Anreizen und Drohungen geeinigt, mit dem sie den Iran zu neuen Verhandlungen über sein Atomprogramm bewegen wollen.

Knobloch sagte, man müsse dem Iran energisch entgegentreten. Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad hat mehrmals mit der Vernichtung Israels gedroht, das sich durch das Atomprogramm der islamischen Republik bedroht sieht. Ahmadinejad hat zudem den Holocaust in Frage gestellt. Zentralrats-Vize Salomon Korn kündigte an, wenn Ahmadinejad zu Spielen der iranischen Mannschaft bei der Fußball-WM nach Deutschland komme, werde der Zentralrat die geplanten Demonstrationen gegen seinen Besuch unterstützen. (APA/dpa)

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    Knobloch zur Politik gegenüber Iran: "Die Appeasement-Politik, die hier betrieben wird, ist etwas, was ich aus historischer Erfahrung kenne."

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