Sommerausstellung des Leopold Museums: Frauenbilder

7. Juni 2006, 14:39
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Heterogenes vom 16. bis zum 21. Jahrhundert unter dem Titel "Körper, Gesicht und Seele"

Wien - Die Sommerausstellung des Leopold Museums steht ganz im Zeichen der Frau: "Körper, Gesicht und Seele. Frauenbilder vom 16. bis zum 21. Jahrhundert", kuratiert von Rudolf und Elisabeth Leopold unter Mithilfe von Birgit Laback, grenzt das Thema stilistisch nicht ein. Ab Freitag, 9. Juni, sind die über 150 heterogenen Kunstwerke zu sehen, die Schau selbst überrascht mit unkonventionellen Kombinationen: Arbeiten von Bettina Rheims stehen im Kontrast zu Egon Schiele, Louise Bourgeois konkurriert mit Hans von Aachen.

Suchen nach Frauenbildnissen

Elisabeth Leopold, die das Großprojekt von Anfang an begleitet hat, interessiert vor allem der Wandlungsprozess des Frauenbildnisses von "Adam und Eva" bis hin zum modernen Selbstbildnis der heutigen Frau. "Ich bin eine Feministin wider Willen", ließ die Gattin des Sammlers gleich zu Beginn der Pressekonferenz am Mittwoch verlauten. Während der Arbeit an der Ausstellung seien ihr wieder viele grausame Frauenschicksale und die jahrhundertelange Unterdrückung bewusst geworden. Das Suchen nach Frauenbildnissen entwickelte sich schnell zu Leidenschaft: "Hätte ich viel Zeit und viel Geld gehabt, hätte ich drei Museen füllen können", so Leopold sichtlich enthusiastisch. Doch auch mit dem Ergebnis von "Körper, Gesicht und Seele" kann sie zufrieden sein.

Rund hundert der Kunstwerke stammen aus nationalen und internationalen Sammlungen, Galerien und Museen wie etwa der National Gallery London oder dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. 43 Gemälde stammen aus der Sammlung Leopold selbst, 50 Werke wurden laut Leopold noch nie in Wien gezeigt. Versicherungswert der gesamten Schau: 200 Millionen Euro. Erstmals sind auch Bilder aus der privaten, im Aufbau begriffenen "Sammlung Leopold 2" zu sehen.

Heterogene Programmatik

Ziel der Ausstellung ist es, historische wie aktuelle Darstellungen von Frauen einander gegenüber zu stellen. Entsprechend facettenreich ist das Gesamtbild: Heroinen, Akte, Damen und Künstlerinnen sind in einem Raum versammelt, der Bogen spannt sich von Albrecht Dürers "Junge Venezianerin" bis hin zu Valie Exports Selbstbildnis "Genitalpanik Aktionshose". Die Darstellung der Frau, ihrer Körperlichkeit, zieht sich durch die Jahrhunderte. An ihr ist der soziokulturelle Wandel nachzuvollziehen. "Die Ausstellung in einen logischen Zusammenhang zu bringen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit", so Rudolf Leopold, der die Ausstellung selbst gehängt hat.

Die Räume im Untergeschoss des Leopold Museums wirken düster, allein die gut beleuchteten Werke stechen hervor, was die Schau - gemeinsam mit der bunten Zusammenstellung - ein wenig aus der Realität rückt. Größtenteils steht wirklich nur die Frau selbst im Zentrum, selten ist ein Paar zu sehen, etwa bei Schieles "Liebespaar, 1918". "Mir war die Qualität höchstes Kriterium", so Rudolf Leopold, so habe er auch durchaus Bilder wieder "rausgenommen", die seine Frau ursprünglich vorgeschlagen hatte. Und was Leopold unter Qualität versteht, sieht man auf Schritt und Tritt: Thomas Gainsborough, Ferdinand Georg Waldmüller, Gustav Klimt, Pablo Picasso, Oskar Kokoschka oder Otto Mühl sind nur wenige der 90 Künstler, die das Ehepaar Leopold hier so unkonventionell versammelt hat. (APA)

  • Pablo Picasso: "Frau mit grünem Hut" (1947, Ausschnitt)
    foto: leopoldmuseum / r&h batliner art foundation

    Pablo Picasso: "Frau mit grünem Hut" (1947, Ausschnitt)

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