Autofahren ist Luxus

20. Juni 2006, 19:50
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Nicht nur die hohen Benzinpreise, auch die Kosten für die Fahrausbildung in Österreich nehmen laut Arbeiterkammer ungeahnte Ausmaße an

Wien - Bis zu 2.100 Euro muss demnach ein Führerscheinkandidat in Österreich für den rosa Schein bezahlen. Zu diesem Ergebnis kam eine österreichweite AK-Erhebung der Kosten bei 300 Fahrschulen, die Mittwochvormittag vorgestellt wurde.

Durchschnittlich kostet die B-Führerscheinausbildung in Österreich 1.545 Euro, exklusive der Ausgaben für Lernunterlagen, Erste-Hilfe-Kurs, Arzt und Behördengebühren. "Bei einem durchschnittlichen Netto-Monatseinkommen von 1.200 Euro müssen schon fast eineinhalb Monatsgehälter bezahlt werden", sagte Maria Kubitschek, AK-Wirtschaftsbereichsleiterin.

Fehlende Transparenz

Besonders die fehlende Transparenz der Fahrschulen wurde kritisiert: "Für Fahrschüler und Eltern ist es unmöglich, sich einen Überblick über die tatsächlichen Kosten zu schaffen", so Kubitschek. Besonders problematisch sei dies, weil die Fahrschulen durch eine Gesetzesänderung im Jänner dieses Jahres selbst bestimmen können, wie viele Fahrstunden der Kandidat braucht. Die "Preisfantasien" seien unbegrenzt.

Beträchtliche Unterschiede bei den Preisen gibt es der Studie zufolge in den Bundesländern. So seien etwa Vorarlberg und Niederösterreich die teuersten Bundesländer, in denen man seine Lenkerberechtigung erwerben kann. Der Durchschnittspreis bewege sich bei etwa 1.700 Euro. Weitaus günstiger seien die Bundeshauptstadt und Tirol: Zwischen Niederösterreich und Tirol gäbe es eine Preisdifferenz von 646 Euro.

Auf Grund der fehlenden Transparenz und der beträchtlichen Preisunterschiede forderte die AK eine Informationsplattform für Führerscheinkandidaten, die einen Preisvergleich ermöglicht. Außerdem wurde eine gesetzlich geregelte Mindeststundenanzahl für Fahrstunden gefordert. ~ AK-Tipps für Führerscheinkandidaten: - Preise vergleichen ist wichtig, auch Nebenkosten sollten erhoben werden. - Achtung bei Pauschalangeboten: Angebote von Pauschalpaketen sollten überprüft werden. Einzelstunden seien teilweise beträchtlich billiger.

Fachverband weist Kritik zurück

Der Fachverband der Österreichischen Fahrschulen hat am Mittwoch die Kritik der Arbeiterkammer an der Preisgestaltung zurückgewiesen. So werde behauptet, dass auf Grund von Gesetzesänderungen die Fahrschulen selber bestimmen können, wie viele Stunden die Fahrschüler brauchen. "Fest steht, dass die jeweilige Fahrschule die Absolvierungsinhalte bestätigen muss", hieß es in einer Aussendung.

"Durch die Flexibilisierung der der Ausbildung seit 1.1.2006 kann besser auf die einzelnen Fahrschüler Rücksicht genommen werden", betonte Norbert Hausherr, Obmann des Fachverbandes. Der Arbeiterkammer sei offensichtlich nicht bekannt, dass Fahrlektionen auch kürzer als 50 Minuten sein dürfen. Der Umfang der gesamten Ausbildung müsse allerdings gleich bleiben. Bei kürzeren Lektionen müsse die Anzahl erhöht werden.

"Auch weiß die Arbeiterkammer scheinbar nicht, dass die Fahrschulen - gemeinsam mit dem BMVIT (Verkehrsministerium, Anm.) ein einheitliches Tarifblatt entwickelt haben", erklärte Hausherr. Demnach sei jede Fahrschule verpflichtet, dieses Tarifblatt außen sichtbar anzubringen. Daher müsse ein potenzieller Kunde nicht einmal eine Fahrschule betreten, um Preise vergleichen zu können. (APA)

  • Für Fahrschüler und Eltern sei es unmöglich, sich einen Überblick über die tatsächlichen Kosten zu schaffen, so die AK.
    foto: standard/urban

    Für Fahrschüler und Eltern sei es unmöglich, sich einen Überblick über die tatsächlichen Kosten zu schaffen, so die AK.

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