Spitzel-Hick-Hack: FPÖ soll Detektiv auf Haider angesetzt haben

8. Juni 2006, 11:34
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"Beweismaterial" offensichtlich manipuliert - Unterschiedliche Angaben von allen Seiten - FPÖ bestreitet - BZÖ empört

Wien - Die Grabenkämpfe zwischen BZÖ und FPÖ haben am Mittwoch eine orange-blaue Detektiv-Geschichte hervorgebracht, die einige Rätsel aufwirft. Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "News" hat die FPÖ-Führung den als Lucona-Aufdecker bekannten Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler beauftragt, den Kärntner Landeshauptmann und Noch-BZÖ-Obmann Jörg Haider zu bespitzeln. Recherchen haben allerdings ergeben, dass die den Medien zugespielten "Beweismaterialien" offensichtlich manipuliert wurden. Als Schlüsselfiguren in dem "Kriminalroman" taten sich zwei in die Causa involvierte FP-Funktionäre, Josef Feinig (Parteileitungsmitglied) und Franz Jamnig (Völkermarkter FP-Obmann), hervor.

Fix scheint Bezahlung des Dedektivs zu sein

Über den Herrgang der Affäre gibt es völlig unterschiedliche Darstellungen. Fix scheint zu sein, dass Guggenbichler vom gf. Landesparteiobmann Karlheinz Klement und Jamnig je 5.000 Euro erhalten hat. Nach eigenen Angaben, um Informationen über das Agieren Haiders im Zusammenhang mit Hypo Alpe Adria zu liefern. In zwei den Medien zugespielten "Auftragsbestätigungen" war auch von einer privaten Bespitzelung Haiders die Rede. Diese Papiere dürften allerdings manipuliert worden sein.

Persönliche Bespitzelungen Haiders werden von allen Seiten zurückgewiesen

Die Darstellungen im "News", wonach Klement von Guggenbichler verlangt haben soll, dass er Haider auch persönlich bespitzelt, wies der Privatdetektiv ebenso wie der geschäftsführende FP-Landeschef zurück. Sehr wohl auf die persönliche Überwachung Haiders gedrängt hätten aber Feinig und Jamnig. Daraufhin habe er den Auftrag zurückgelegt, betont Guggenbichler. An Honorar erhalten habe er 5.000 Euro von Klement und 5.000 Euro von Jamnig. Diese Zahlungen bestätigten auch Feinig und Klement. Feinig behauptete jedoch, dass Guggenbichler von sich aus an die FPÖ herangetreten sei, um Material über angebliche psychische Probleme Haiders sowie über die Hypo-Alpe-Adria anzubieten.

Intrigen

Die Veröffentlichung der Affäre sei Ausfluss einer FP-internen Intrige gewesen: "Ich habe schon länger vorgehabt, den Herrn Klement abzuschießen, weil er gegen mich Intrigen gemacht hat, die nicht normal sind", so Feinig, der laut FP-Kreisen am 3. Juni aus der Kärntner FPÖ ausgeschlossen worden ist. Feinig selbst dementierte dies.

Auftragsbestätigung manipuliert

Die schriftliche "Bestätigung" der Auftrags-Abwicklung durch ihn und Jamnig, wurde laut Feinig - zumindest in der den Medien zugespielten Form - verändert. Er selbst habe das Papier zwar verfasst und unterschrieben. Die Unterschrift Jamnigs sei aber offenbar im Nachhinein dazugefügt worden. "Ich wollte das haben, damit ich etwas gegen Klement in der Hand habe", so Feinig, dessen Plan es gewesen wäre, kommende Woche mit den Informationen "in einem anderen Zusammenhang" an die Öffentlichkeit zu gehen.

Feinig: Papier wurde kopiert als "ich am Klo war"

Offenbar sei das Papier in der Folge aber ins Büro von Landeshauptmann Haider geraten, sagt Feinig. Wie das passiert sei, wisse er nicht. Er habe das Papier lediglich Guggenbichler gezeigt und es bei einem Gang auf das WC auf dessen Schreibtisch liegen gelassen: "Guggenbichler muss die Bestätigung, während ich am Klo war, kopiert haben." Laut Guggenbichler ist auch die zweite den Medien zugespielte "Auftragsbestätigung" mit seiner Unterschrift gefälscht. Auch Jamnig versicherte, keine Bestätigung unterzeichnet zu haben. Er erklärte ebenfalls, dass seines Wissens nach der Privatdetektiv von sich aus an die Partei herangetreten sei. Im übrigen habe Guggenbichler keine Unterlagen geliefert, weshalb er das Geld mittlerweile zurückgefordert habe, sagte Jamnig.

BZÖ "fassungslos"

Im BZÖ gab man sich "fassungslos". "Ich habe in meinen 30 Jahren in der Politik schon Vieles erlebt, aber etwas Vergleichbares ist mir noch nicht untergekommen", sagte Haider, der sich "persönlich getroffen" zeigte.

Klement bestätigte, Guggenbichler 10.000 Euro bezahlt zu haben. Das Geld sei aber ausschließlich für Informationen in Zusammenhang mit der Geschäftsgebarung der Hypo Alpe-Adria-Bank geflossen, Haider sei nicht bespitzelt worden. Parteichef Heinz-Christian Strache sprach von "paranoiden Vorwürfen" und "Wahnvorstellungen des Herren Haider". (APA)

Link

guggenbichler-
detektei.at

Webseite des Privatdetektivs Dietmar Guggenbichler

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    Haider unter Beobachtung: Spitzelskandal zwischen Blau und Orange

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