Haider: Hauptvorwurf gegen Kulterer entkräftet

20. Juni 2006, 15:49
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Aktenvermerk bei Deloitte soll beweisen, dass Bankchef im November 2004 Treasury-Sonderprüfung beantragt hat - Polit-Hickhack um Kapitalerhöhung geht weiter

Klagenfurt - In dem laufenden Verfahren gegen die Vorstände der Hypo Alpe-Adria-Bank (HAAB) durch die Finanzmarktaufsicht (FMA) sieht der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (B) nun Vorstandschef Wolfgang Kulterer entlastet. Es sei ein Aktenvermerk beim Wirtschaftsprüfer Deloitte aufgetaucht, wonach Kulterer bereits im November 2004 eine Sonderprüfung des Treasury-Bereichs der HAAB beantragt habe, erklärte Haider am Mittwoch vor Journalisten. "Damit hat sich einer der Hauptvorwürfe in Luft aufgelöst."

Im Herbst 2004 hatte die Bank durch Zins- und Währungsspekulationen binnen zwei Wochen mehr als 300 Mio. Euro verloren, die Bilanz für 2004 musste im Frühjahr dieses Jahres neu erstellt werden, nachdem die Wirtschaftsprüfer ihr Testat zurückgezogen hatten. Die FMA leitete eine Sonderprüfung ein und informierte die Staatsanwaltschaft. In den vergangenen Tagen hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, wonach die FMA die verantwortlichen Vorstände ihres Amtes entheben wolle.

Position in besserem Licht

Haider betonte nun, Kulterer habe mit seinem Antrag auf eine Sonderprüfung seine Verantwortlichkeit wahrgenommen, seine Position stelle sich nun "in einem besseren Licht dar". Dies werde auch die FMA zu bewerten haben.

Indes geht der politische Streit um die Kapitalerhöhung der HAAB weiter. Die SPÖ wehrt sich weiterhin gegen die beschlossene Erhöhung um 250 Mio. Euro durch das Auflegen neuer Aktien. Dies würde die Hereinnahme von Hedgefonds bedeuten, warnte Parteichefin Gaby Schaunig vor der Regierungssitzung. Sie forderte erneut, die Eigentümer, also das Land Kärnten und die Grazer Wechselseitige Versicherung, sollten frisches Geld nachschießen, wenn die Bank mehr Eigenkapital brauche.

Eine entsprechende Resolution der SPÖ-Landesräte wurde in der Regierungssitzung abgelehnt, BZÖ und ÖVP stimmten dagegen. Haider bezeichnete die Resolution als "unsinnig", sie entspreche auch nicht der Beschlusslage der Kärntner Landesholding. Er forderte Schaunig auf, Beschlüsse zu respektieren. Inhaltlich wolle er die Vorschläge der SPÖ gar nicht kommentieren, sagte der Landeshauptmann. (APA)

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