23. Juni 2006, 10:24
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Der russische Milliardär und Kreml-Vertraute Roman Abramowitsch plant nach Medienberichten den Kauf der Moskauer Wirtschaftszeitung "Kommersant". Die Geschäftsführung des Zeitungsverlages, der bis vor kurzem noch zum Firmengeflecht des nach Großbritannien geflohenen Oligarchen Boris Beresowski gehörte, habe Verhandlungen mit Abramowitschs Investmentgesellschaft Millhouse Capital bestätigt, berichtete die englischsprachige Zeitung "Moscow Times" am Mittwoch.

"Kommersant" unter den letzten meinungsbildenden Medien

Die in einer Auflage von 130 000 Exemplaren erscheinende Zeitung "Kommersant" gehört zu den letzten meinungsbildenden Medien in Russland, die nicht vom Kreml kontrolliert werden. Der Radiosender "Echo Moskwy" berichtete unter Berufung auf eigene Quellen, die Zeitung sei bereits für umgerechnet 100 Millionen Euro an Abramowitsch verkauft worden. Der Besitzer des Fußballclubs Chelsea London hatte im Westen zuletzt mit Übernahmeplänen im Stahlsektor für Schlagzeilen gesorgt. Eine offizielle Bestätigung für den Kauf von "Kommersant" lag zunächst nicht vor. Russische Medienexperten sehen hinter Abramowitschs Engagement auf dem Zeitungsmarkt weniger wirtschaftliche als politische Motive im Interesse des Kremls.

Neben den großen privaten Fernsehsendern sind in den vergangenen Jahren auch führende Tageszeitungen wie "Iswestija" oder "Nesawissimaja Gaseta" an Geschäftsleute oder Unternehmen mit engen Kontakten zur Staatsführung verkauft worden. Auf dem Jahreskongress der internationalen Zeitungsverleger musste sich Präsident Wladimir Putin am Montag in Moskau den Vorwurf gefallen lassen, der Staat verbreite in den Medien eine Atmosphäre der Unsicherheit und zwinge die Journalisten zur Selbstzensur. Der Kremlchef entgegnete, in Russland nehme die staatliche Kontrolle über die Medien ab. (APA)

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