Streit um Abfertigungen

19. Juni 2006, 16:20
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Nach dem US-Vergleich ist die Justiz am Zug. Ex-Vorstände fordern 18 Millionen - Elsner erhielt 6,8 Millionen

Wien – Nachdem am Dienstag das bedrohlichste Problem der Bawag – die US-Klagsdrohungen – mittels Vergleich aus der Welt geschafft wurden, richten sich nun alle Blicke auf die Justiz. Und die arbeitet längst auf Hochtouren.

Die Staatsanwaltschaft Wien führt in der Causa Bawag Vorerhebungen, untersucht die Karibik-Verluste, die Bilanzen, den Blitzkredit an Refco. Der Vorwurf (es gilt die Unschuldsvermutung): Verdacht auf Untreue, Betrug. 13 Verdächtige nennt die Justiz: die Ex-ÖGB-Funktionäre Fritz Verzetnitsch und Günter Weninger, die Ex-Bawag-Vorstandsmitglieder Helmut Elsner, Johann Zwettler, Christian Büttner, Peter Nakowitz, Hubert Kreuch und Josef Schwarzecker; Wirtschaftsprüfer Robert Reiter; Investmentbanker Wolfgang Flöttl; Philip Bennett und zwei Refco-Mitarbeiter, die in den Blitzkredit involviert waren.

Bawag und ÖGB schließen sich dem Strafverfahren als Privatbeteiligte an, um ihre Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

Ex-Vorstand will Geld

Die Verträge mit Büttner, Kreuch, Schwarzecker und Nakowitz hat die Bank per Ende März gelöst – alle vier versuchen nun, Abfertigungen zu bekommen. Ein Ansinnen, bei dem es in Summe um 18 Mio. Euro gehen soll – und gegen das sich Bankchef Ewald Nowotny dezidiert querlegt.

Ermittelt wird derzeit in alle Richtungen. Die Staatsanwaltschaft will vor dem Sommer einzelne Personen, die in die letzte Phase der Karibik-Verluste verwickelt waren, vor den Richter bringen. Aus der Bawag wurden meterweise Akten herbeigeschafft, die die Juristen derzeit durchforsten. Die Polizei hat bereits alle Verdächtige und jede Menge Zeugen einvernommen.

Am Mittwoch haben die Ermittler den in Genf lebenden Investmentbanker Thomas Hackl als Zeugen befragt. Von ihm erwarten sie "besonders interessante Auskünfte, weil er sich sehr gut ausgekannt hat". Hackl war bis 2002 Treasury-Chef der Bawag und von Mai 2002 bis November 2004 Leiter der Vermögensverwaltung von Refco in New York. US-Verfahren gegen Bawag- oder ÖGB-Manager, wie zuletzt angedeutet wurde, sind übrigens unwahrscheinlich: Österreich liefert seine Staatsbürger nicht aus.

In der Bank versucht man nun, in ruhiges Fahrwasser zu kommen. Die Bilanz steht: Die Bank als solche weist einen Gewinn von 100.265,92 Euro aus (Konzern: 3,6 Mio.) – der ÖGB bekommt keine Dividende und wird für 2005 Verluste ausweisen.

Die erste Zahlung der Bawag an die Vergleichsgegner in New York wird am 31. Juli fließen – bis dahin sollen in Wien verlorene Kunden zurückerobert sein. Die neue Imagekampagne läuft diese Woche an. Ihr Slogan: "Ich bin bei der Bawag." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.6.2006)

  • Helmut Elsner
    foto: standard/regine hendrich

    Helmut Elsner

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