Der Kapitän wird 60

24. Juni 2006, 15:11
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Er führte die ÖFB-Elf zum legendären 3:2 von Cordoba, das Austria-Urgestein Robert Sara feiert seinen 60. Geburtstag

Wien - Am Freitag, dem Tag der Eröffnung der FIFA-WM, feiert ein Großer aus Österreichs besseren Fußballzeiten einen runden Geburtstag: Robert Sara, legendärer rechter Verteidiger der Wiener Austria und des Nationalteams, wird 60 Jahre. "Ich bin kein Freund großer Feste, habe auch den Fünfziger nicht besonders gefeiert. Am Abend gibt's nur ein gutes Essen zu Hause mit meiner Frau und den engsten Freunden", sagt der Ex-Violette, der schon zu aktiven Zeiten stets den ruhigen, besonnen Menschen verkörperte.

Seit dem Abschied von seinen Veilchen als Scout in der Saison 1999/2000, als auch Herbert Prohaska als Trainer den Favoriten verlassen musste, ist der frühere Vorzeige-Profi mit seinem geliebten Sport quasi nur noch auf Distanz verbunden. Er verfolgt ihn lediglich noch über die Medien, ab Freitag sitzt er natürlich auch vor dem TV-Gerät, um das Geschehen des WM-Turniers in Deutschland zu verfolgen. Einen echten Favoriten hat er keinen. "Es wird schon in den Gruppen-Spielen viele Überraschungen geben", glaubt der schon lange in Wien lebende Fußball-"Pensionist".

Der Pass für die Ewigkeit

Er glaubt auch daran, dass es mit dem heimischen Fußball wieder aufwärts gehen wird. Teamchef Josef Hickersberger sei auf einem guten Weg. "Jeder hat einmal gelernt, Hickes willigen Burschen sind in Ordnung, haben die richtige Einstellung. Es ist schön, wenn man wieder hört, dass die Jungen stolz sind, den Adler auf der Brust zu tragen." Sara erinnert sich an seine Jugend zurück, auch er musste sich durchbeißen, es ist ihm nichts geschenkt worden. Am Ende seiner Karriere, die beispielhaft war, hatte er nichts bereut.

Zu den Höhepunkten des am 9. Juni 1946 in Oberleinsitz bei St. Martin im Waldviertel (NÖ) geborenen Sara gehörte die WM-Teilnahme 1978 in Argentinien mit dem epochalen 3:2-Triumph in Cordoba gegen Deutschland. "Zwei Minuten vor dem Ende war der Gegner zu weit aufgerückt, Rolf Rüßmann schlecht gestanden, da habe ich Hans Krankl über gut 40 Meter den Ball zugespielt und der besorgte das Siegestor", erinnert sich der Jubilar, der von den argentinischen Zeitungen damals in die Weltelf nominiert wurde.

Ein Europacup-Endspiel

Zu den Positiva des früheren Austria-Kapitäns, der den langen, tödlichen Pass ebenso beherrschte wie das harte Tackling und die feine Technik, zählten im selben Jahr noch der Einzug ins Europacup-Endspiel der Cupsieger in Paris (0:4 gegen RSC Anderlecht) sowie das ÖFB-Teamdebüt am 20. Oktober 1965 im Londoner Wembley-Stadion (3:2 gegen England). Der damalige Teamchef Edi Frühwirth war es auch gewesen, der den "modernen Außendecker" mit letztlich 55 Länderspielen (drei Tore/bis Mai 1980) vorher zur Austria geholt hatte.

Der "Einser-Sara", dessen Eltern als Platz- und Zeugwart für die Austria im Wiener Stadion tätig waren, hatte seine Laufbahn als Neunjähriger beim SV Donau-Wien begonnen. 1964 lotste ihn Frühwirth für 5.000 Schilling (363 Euro) zu den Veilchen. In fast 21 Saisonen für die Austria bestritt das Denkmal 562 Liga-Spiele (31 Tore), 72 ÖFB-Cup-Partien (12), 63 Europacup-Matches und sah nur einmal (Oktober 1969 in Klagenfurt) die Rote Karte. Die sportliche Ernte fiel dementsprechend ergiebig aus.

Neffe bei Rapid

Als Spieler fuhr Robert Sara, der Ende 1998 (nach Abgang von Gustl Starek) sowie im Frühjahr 1998 (Wolfgang Frank) auch interimistisch als Austria-Trainer arbeitete, acht Meistertitel und sechs ÖFB-Cup-Erfolge ein. Als Mitglied des Austria-Betreuerstabes kamen noch zwei weitere Titelwürden hinzu. "Wir haben damals national alles gewonnen, was es zu gewinnen gab", erinnert sich das Geburtstagskind, das auch den Supercup und das Stadthallen-Turnier auf seiner Visitenkarte stehen hat. Die Violetten wählten ihn anlässlich des 90. Vereinsjubiläums (2001) zurecht in die "Austria-Elf des Jahrhunderts". In Zukunft möchte Sara wieder mehr auf den Fußball-Platz gehen, um seinen von SCR Altach zu Rapid gewechselten Neffen Mario Sara im Hanappi-Stadion zu sehen.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Robert Sara in Aktion.

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