Maliki lässt 590 Gefangene frei

13. Juni 2006, 15:10
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Weitere Entlassungen geplant - Druck auf Rumsfeld in der Affäre Haditha steigt

2500 Häftlinge will der irakische Ministerpräsident Maliki freilassen, um die Lage in seinem Land zu beruhigen. In den USA übt der Senat Druck auf Donald Rumsfeld in der Affäre Haditha aus. Ein weiterer Zivilist soll von US-Soldaten ermordet worden sein. Washington/Bagdad - In einer der bislang größten Freilassungsaktionen hat die irakische Regierung am Mittwoch die ersten fast 600 Häftlinge in die Freiheit entlassen. Mit dem am Dienstag angekündigten Schritt will Regierungschef Nuri al-Maliki die Lage in dem von zunehmender Gewalt erschütterten Land beruhigen. Dessen ungeachtet kam es auch am Mittwoch zu neuer Gewalt.

Bislang seien 594 Häftlinge freigelassen worden, berichtete das staatliche irakische Fernsehen unter Berufung auf das Justizministerium. Insgesamt sollen 2500 Gefangene frei kommen. Maliki will damit einen Beitrag zur nationalen Aussöhnung leisten. Im Irak sind UN-Schätzungen zufolge rund 28.000 Personen inhaftiert. Viele davon sollen an der Rebellion arabischer Sunniten gegen die schiitisch geführte und von den USA unterstützte irakische Regierung beteiligt sein.

Allein in der Hauptstadt Bagdad wurden mehr als 100 Häftlinge frei gelassen. Einige wirkten erschöpft und hielten beim Verlassen des Gefängnisses den Koran umklammert und küssten den Boden.

Gegen die US-Truppen im Irak ist ein neuer Vorwurf der Ermordung von Zivilpersonen erhoben worden. Nach Ermittlungen der US-Militärbehörden sollen Soldaten in Hamdanija unweit von Mossul am 26. April einen Mann gezielt getötet und ihn dann so hergerichtet haben, als habe es sich um einen Aufständischen gehandelt. Nach den mutmaßlichen Massakern in Haditha und Ishaki wäre dies ein dritter solcher Fall.

Der angesehene republikanische Vorsitzende des Streitkräfteausschusses im US-Senat, John Warner, hat Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in einem am Dienstag veröffentlichten Brief unter Druck gesetzt, "zum frühest möglichen Zeitpunkt"Details über das angebliche Massaker an 24 irakischen Zivilisten durch die Eliteeinheit Marines in Haditha bekannt zu geben. Warner will selbst mit "einer Reihe von Anhörungen"in der Angelegenheit beginnen. Er erwarte sich, dass der Fall durch das Pentagon "prompt behandelt"werde. Es ist dies nicht das erste Mal, dass sich der 79-jährige Warner - der außerhalb Washington in erster Linie als einer der vielen Ehemänner des Filmstars Elizabeth Taylor bekannt ist - mit Rumsfeld anlegt. Bereits nach dem Bekanntwerden der Gräueltaten von Abu Ghraib wurde ihm vorgeworfen, seine Hearings hätten sich zu einem Forum für demokratische Attacken gegen den Verteidigungsminister entwickelt.

Italien wird seine 2700 Soldaten bis Ende des Jahres aus dem Irak abziehen, wie Außenminister Massimo D'Alema am Mittwoch in Bagdad bekannt gab. Premier Romano Prodi löst damit ein Wahlversprechen ein. Erst am Montag war bei einem Anschlag auf eine italienische Militärkolonne ein Soldat getötet worden. (AFP, Reuters, sdr, DER STANDARD, Print, 8.6.2006)

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    Irakische Gefangene, die kurz zuvor von der amerikanischen Armee freigelassen wurden, verneigen sich.

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