Kärnten: "Falscher" Toter begraben - Verwechslung nach Unfall

11. Juni 2006, 21:25
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Anstelle eines 18-jährigen Kärntners erwachte nach Monaten ein 17-jähriger Bosnier aus dem Koma

Klagenfurt - Nach einem Verkehrsunfall mit zwei Toten und zwei Schwerletzten im Februar dieses Jahres in Klagenfurt ist offenbar der Falsche begraben worden.

Erst hieß es, dass der Unfalllenker (17) aus Bosnien unter den Verstorbenen sei und ein 18-jähriger Beifahrer aus St. Veit an der Glan im Koma liege. Inzwischen wurde jedoch klar, dass es sich bei dem inzwischen erwachten Koma-Patienten um den 17-jährigen Bosnier handelt. Die sterblichen Überreste des Österreichers wurden in Bosnien beigesetzt, bestätigte der Medizinische Direktor des Landeskrankenhaus Klagenfurt, Thomas Koperna.

Eltern des Überlebenden wurden nicht informiert

Die Eltern jenes 17-jährigen Bosniers, der für tot erklärt worden ist, haben erst am Mittwoch aus den Medien erfahren, dass ihr Sohn noch lebt. Als "zutiefst unmenschlich" bezeichnete Gesundheitsreferent Wolfgang Schantl diese "absolut falsche Vorgangsweise" des Landeskrankenhauses Klagenfurt. Der Patient befindet sich derzeit zur Rehabilitation im Krankenhaus Hermagor.

Eltern haben Söhne laufend besucht

"Wir gehen davon aus, dass beide Elternteile ihre Söhne falsch identifiziert haben", erläuterte der Mediziner. Derzeit sei man dabei zu prüfen, wie diese Verwechslung möglich war. Der Fall werde von der Kriminalpolizei untersucht und liege bei einem Untersuchungsrichter des Landesgerichts Klagenfurt. "Die Eltern haben den Koma-Patienten laufend besucht", erklärte der Medizinische Direktor, jedoch dabei auch nicht erkannt, dass es sich nicht um ihren Sohn handelt. "Ein Mensch sieht auf der Intensivstation ganz anders aus", versuchte Koperna eine Erklärung. Eine derart tragische Verwechslung überrasche ihn jedoch.

Aufgefallen ist die Geschichte erst, nachdem der vermeintliche Österreicher nach seinem Erwachen aus dem Koma kroatisch zu sprechen begonnen hatte. "Inzwischen haben wir eine DNA-Probe gemacht, die bestätigt hat, dass es sich bei dem Überlebenden um den Bosnier handelt", erklärte Koperna. Trotzdem seien für ein endgültiges Ergebnis die polizeilichen Untersuchungen abzuwarten.

Führerscheinloser Unglückslenker

"Bezüglich des Unfalls sind Vorerhebungen im Gange", erläuterte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, Carmen Riesinger. Bei dem Unfall befanden sich vier Autoinsassen nach einer Party auf dem Weg nach Ferlach (Bezirk Klagenfurt-Land). Die Ermittlungen der Polizei ergaben am Abend des 4. Februar, dass der führerscheinlose Unglückslenker, mit dem Auto einer Bekannten in Klagenfurt mit weit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war. Er verlor die Herrschaft über das Fahrzeug und krachte ungebremst gegen eine Hausmauer.

Das Auto wurde dabei derart zerstört, dass man nicht einmal mehr die Marke feststellen konnte. Die Feuerwehr schnitt das Wrack auf, um den Lenker und einen der Beifahrer herauszuholen. Bevor die Opfer auf der rechten Seite geborgen werden konnten, musste das Wrack mit einem Kran von der Mauer weggezogen werden.

Insgesamt haben sich vier junge Männer im VW Passat befunden. Zwei von ihnen starben, ein dritter schwebte tagelang in Lebensgefahr und lag danach monatelang im Koma. Erst als er aufwachte, wurde die Verwechslung bekannt. (APA)

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