Weltwirtschaft wächst bis 2010 rascher

7. Juli 2006, 11:11
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Welthandel wird laut Wifo bis 2010 um fast sieben Prozent jährlich und Weltproduktion um etwa 4 1/2 Prozent pro Jahr wachsen

Wien - Der Welthandel wird bis 2010 um fast 7 Prozent jährlich und die Weltproduktion um etwa 4 1/2 Prozent pro Jahr wachsen, merklich rascher als zwischen 2000 und 2005, nimmt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) an. Unter den Industrieländern wird die US-Wirtschaft weiterhin eine höhere Steigerungsrate (+3,1 Prozent) erreichen als in der EU 25 (+2,1 Prozent). Am schwächsten dürfte die Dynamik in Japan (+1,5 Prozent), Deutschland (+1,3 Prozent) und Italien (+1,2 Prozent) ausfallen, so das Wifo am Mittwoch.

Die österreichische Wirtschaft wird laut jüngster Wifo-Prognose bis 2010 real um 2,1 Prozent pro Jahr und damit rascher als der Durchschnitt des Euro-Raums wachsen. Die Wachstumsdynamik werde jedoch nicht ausreichen, um die Arbeitslosenquote zu verringern. Die Preis- und Lohnsteigerungen blieben vor diesem Hintergrund mäßig. Die Inflationsrate dürfte in der Prognoseperiode unter der 2-Prozent-Marke bleiben.

Größte Dynamik

Von den "emerging market economies" werden China (+8,0 Prozent pro Jahr) und Indien (+7,1 Prozent jährlich) weiterhin die größte Dynamik entfalten. Auch die OPEC-Länder und Russland (jeweils +5,2 Prozent) dürften ein kräftiges Wirtschaftswachstum erreichen, gefördert durch anhaltend hohe Erdölpreise.

Die größten Unsicherheitsfaktoren einer mittelfristigen Prognose der Weltwirtschaft sind die Entwicklung der Wechselkurse (insbesondere zwischen Euro und Dollar) und jene der Erdölpreise, meinen die Wirtschaftsforscher. Für die vorliegende Prognose geht das Wifo von folgenden Annahmen aus: Der Wechselkurs des Euro gegenüber dem Dollar sinkt bis 2007 auf 1,12 Dollar und steigt danach auf 1,24 Dollar, der Erdölpreis (Brent) liegt bis 2008 bei annähernd 62 Dollar (derzeit 48,3 Euro) je Barrel und erhöht sich bis 2010 auf 67 Dollar.

6,6 Prozent mehr Exporte

Die Exporte der Industrieländer dürften bis 2010 um 6,6 Prozent pro Jahr zunehmen und damit etwas rascher als die Importe (+6,0 Prozent). Dazu trägt die Kaufkraftverschiebung zu Gunsten der Erdöl exportierenden Länder wesentlich bei, deren Importe deshalb viel rascher expandieren werden als die Exporte. Wegen der anhaltenden Unterbewertung des Dollars werden die USA ihre Exporte unter allen Industrieländern am stärksten steigern (+9,9 Prozent pro Jahr), wesentlich rascher wachsen als die Importe (+5,5 Prozent). Diese Differenz reicht allerdings nicht aus, um das exorbitant außerordentlich hohe Leistungsbilanzdefizit deutlich zu verringern.

Zusätzlich schätzt das Wifo in Alternativszenarien, wieweit eine vom Basisszenario abweichende Entwicklung von Erdölpreis und Euro-Dollar-Kurs die Dynamik der Weltwirtschaft verändern würde. Eine sprunghafte Verteuerung von Erdöl auf 100 Dollar je Barrel (Szenario 1) würde das Weltwirtschaftswachstum kurzfristig (bis 2007) um 0,7 und mittelfristig (bis 2010) um 0,2 Prozentpunkte pro Jahr verlangsamen. Der Effekt einer sprunghaften Aufwertung des Euro auf 1,50 Dollar (Szenario 2) würde nur -0,1 Prozentpunkt pro Jahr ausmachen, in Deutschland allerdings -0,3 Prozentpunkte. Am stärksten würde die Dynamik der Weltwirtschaft durch einen langsamen, aber stetigen Anstieg des Euro-Dollar-Kurses und der Erdölpreise beeinträchtigt (Szenario 3). (APA)

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