Nowotny: Bawag kein Täter sondern Opfer

19. Juni 2006, 16:18
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US-Medien zitieren Bawag-Erklärung: Ehemalige Bawag-Chefs sollen von Manipulationsabsicht Bennetts gewusst haben

Wien - BAWAG-Generaldirektor Ewald Nowotny sieht die Rolle der Bank im Zusammenhang mit dem US-Broker Refco weiterhin als "Opfer". Die Meinung der US-Staatsanwaltschaft, die der BAWAG vorgeworfen hatte bei den Bilanz-Manipulationen des zusammengebrochenen Broker-Hauses durch die Gewährung von Krediten mitgeholfen zu haben, sei die "Rechtsposition der US-Staatsanwaltschaft", die er nicht teile, so Nowotny am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Dass die BAWAG trotzdem den Vergleich mit den US-Behörden (Staatsanwaltschaft, Börsenaufsicht SEC), den Gläubigern und Aktionären von Refco angestrebt habe begründete Nowotny mit dem Interesse einer Bank am Vertrauen der Kunden und des Finanzmarkts. Während eine Firma möglicherweise ein Verfahren durchstehen könne, sei eine Bank auf Vertrauen angewiesen. Durch den Vergleich sei nun die "größtmögliche Rechtssicherheit" erreicht.

Manipulationen

Laut einer in der "New York Times" zitierten Erklärung, die die BAWAG in Zusammenhang mit dem Vergleich abgegeben habe, hätten bestimmte ehemalige Verantwortliche der Bank, eingeschlossen des damaligen Vorstandsvorsitzenden (offenbar Helmut Elsner, Anm.) und eines Vorstandsmitglieds, das im Jahr 2003 Vorsitzender geworden war (offenbar Johann Zwettler, Anm.) gewusst, dass der ehemalige Refco-Chef Phillip Bennet bestimmte Bilanzen innerhalb seiner Gesellschaft manipulieren habe wollen. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Auch der US-Staatsanwalt hatte in seiner Erklärung zum BAWAG-Vergleich aus einem BAWAG-Statement zitiert, wonach die BAWAG Bennett beim Verstecken von Verlusten jahrelang durch kurzfristige Kredite jeweils im Zeitraum um die Refco-Bilanzerstellung geholfen habe. (APA)

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