Mager und trotzdem zu dick

7. Juni 2006, 07:00
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Ein Manual zur Körperbild-Therapie zeigt mögliche Auswege bei Anorexia und Bulimia Nervosa - Ein Buchtipp

In den westlichen Gesellschaften ist die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper weit verbreitet, wobei in den letzten fünfzig Jahren noch eine Zunahme der negativen Einschätzung beobachtet worden ist. US-Studien belegen, dass 56 Prozent der befragten Frauen und 43 Prozent der Männer ihr Äußeres überkritisch bewerten. Dabei stehen das Gewicht und vor allem die Figur im Fokus der Betrachtung. 89 Prozent der untersuchten Frauen gaben den Wunsch nach Gewichtsreduktion an. Und in Österreich besitzt bereits jede zweite Frau und jeder vierte Mann praktische Diäterfahrung.

Jedoch führt eine negative Selbsteinschätzung des Körperumfangs und der Figur nicht unweigerlich zu einer psychischen und in der Folge auch physischen Beeinträchtigung. In zahlreichen Studien wurde jedoch heraus gefunden, dass Magersucht (Anorexia nervosa) und Ess-Brech-Sucht (Bulimie) so gut wie immer mit einer Störung des Körperbildes einher gehen. Dies äußert sich darin, dass die Betroffenen sich als viel dicker empfinden als sie tatsächlich sind.

Es wurde nämlich belegt, dass es auch nach einer hinsichtlich der Normalisierung des Essverhaltens erfolgreichen Behandlung aufgrund des Fortbestehens eines negativen bzw. verzerrten Körperbildes zu Rückfällen gekommen ist. Die Schlussfolgerung daraus: Ein gestörtes Körperbild ist scheinbar schwieriger zu behandeln als pathologisches Essverhalten. Das subjektive Empfinden der Körperdimensionen scheinbar geheilter PatientInnen (es sind auch immer mehr Buben und Männer betroffen) führt sie nach der Gewichtszunahme von nur wenigen Kilogramm in Panikzustände, auch dann, wenn ihre Schlankheit unter dem idealen Bodymass-Index und dem gesellschaftlichen Durchschnitt liegt.

Obwohl das vorliegende Buch einen Arbeitsbehelf für TherapeutInnen darstellt, ist es auch für interessierte LaiInnen, Betroffene von Ess-Störungen und deren Angehörige geeignet. Es bietet komplexe Informationen sowohl über Magersucht und Bulimie als auch über Störungen des Körperbildes und deren Stellenwert bei diesen beiden häufigsten Ess-Störungen. Das Programm wird schrittweise erläutert und zeigt anhand von Beispielen, Fragebögen und Arbeitsaufgaben, wie ein verzerrtes Körperbild überwunden werden könnte. (dabu)

Silja Vocks, Tanja Lengenbauer:
Körperbildtherapie bei Anorexia und Bulimia Nervosa
Ein kognitiv-verhaltens-therapeutisches Behandlungsprogramm
Hogrefe-Verlag 2005
ISBN: 3801718360
Euro 29,95

Das Buch ist u.a in der Buchhandlung Frauenzimmer erhältlich.
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    foto: hogrefe
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