Der Sinn des Lebens klebt im Heft

4. August 2006, 20:19
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Die "Electric Avenue" im Wiener Museumsquartier wird jeden Freitagnachmittag zur Panini-Zone

Ein bisserl wirkte es ja, als sei Jogi Neufeld die Sache mittlerweile über den Kopf gewachsen. Denn die meisten der gut 400 Menschen, die am Freitag Gänge und Winkel der "Electric Avenue" im Wiener Museumsquartier überfüllten, kamen nicht einmal bis auf Sichtweite an Neufelds Retro-Elektronikspieleladen "Subotron" heran. Aber Neufelds Pickerltauschbörse ist eben längst weit über die 20 Quadratmeter seines Shops gewachsen: Der ganze Trakt ist jeden Freitagnachmittag Panini-Zone - schließlich haben sich WM-Fußballsammelbildchen spätestens heuer vom Insider-Witz zum Mainstream-Phänomen gemausert. Wohl auch, weil die Sammler, die 1978 - als das erste WM-Sammelalbum herauskam - karge Taschengeldschillinge in Aufkleber investierten (100-mal Willi Kreuz - und nie Paolo Rossi), heute Kindheitsträume (oder -traumata) aufarbeiten können. Obwohl: Heute ist es - dank Ebay und Internet - ja fast unsportlich einfach, fehlende Köpfe (Jens Lehmann!) aufzutreiben. Und wenn TV-Moderatoren (etwa Edi Finger jr. oder Frühstücksplauderer Andreas Seidl) via Bildschirm Pickerln suchen, hat das mit Chancengleichheit auch wenig zu tun. Geschenkt: Im MQ wird nämlich nach "Old School"-Manier getauscht. In Bataillonstärke - und wenn da einer "Fertig!" ruft und vor Freude fast platzt, weiß Neufeld, dass die Sache einen Sinn hat. Auch wenn den manche Leute nie verstehen werden. (DER STANDARD - Printausgabe, 7. Juni 2006)
  • Statt seines Shops überfüllt Jogi Neufeld (im Bild) jeden Freitag einen ganzen Trakt des Museumsquartieres.
    foto: thomas rottenberg

    Statt seines Shops überfüllt Jogi Neufeld (im Bild) jeden Freitag einen ganzen Trakt des Museumsquartieres.

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