Euronext und Mailänder Börse verhandeln offiziell über Fusion

20. Juni 2006, 10:55
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Gespräche über Aufbau einer gemeinsamen Holding - Wert der Borsa Italia wird auf 800 Millionen bis 1,3 Milliarden Euro geschätzt

Mailand - Die Vierländerbörse Euronext und die Betreiberin der Mailänder Börse, Borsa Italiana, haben am Dienstag offiziell Verhandlungen über eine mögliche Fusion begonnen. Der Präsident der Mailänder Börse, Massimo Capuano hat nach Angaben der Mailänder Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore" (Dienstag-Ausgabe) bereits die Berater für die Verhandlungen ernannt. Es handelt sich um die Mailänder Investmentbank Mediobanca und Rothschild für die finanziellen Angelegenheiten. Der industrielle Teil wird McKinsey sowie der Kanzlei Chiomenti überlassen.

Der Wert der "Borsa Italia" rangiert zwischen 800 Mio. und 1,3 Mrd. Euro. Vorgesehen ist, dass die Mailänder Börse im Verwaltungsrat der neuen Fusionsbörse einen Posten erhält. Noch ist nicht sicher, ob sich Borsa Italiana an der Euronext direkt oder an der neuen, mit der NYSE zu gründenden Holding beteilige. In der neuen Gruppe soll Mailand für kleine und mittlere Unternehmen zuständig sein. Die italienischen Großbanken, UniCredit, San Paolo IMI und Intesa, die zu den Großaktionären der Mailänder Börse zählen, müssen daher entscheiden, ob sie der neuen Holding beitreten wollen.

Unterstützung von der Regierung

Die Allianzpläne zwischen der Mailänder Börse und Euronext können auch mit der Zustimmung der Regierung Prodi rechnen. Der neue Wirtschaftsminister Tommaso Padoa Schioppa zählt zu den prestigereichsten Befürwortern einer Allianz mit Euronext, die Mailand seiner Ansicht nach aus einer isolierten Position retten würde. Auch Zentralbankchef Mario Draghi gilt als Befürworter des Zusammenschlusses im Euro-Raum.

Die italienische Börse, im vergangenen Jahr mit 282 Titeln auf dem Kurszettel, meldet eine Marktkapitalisierung von 677 Mrd. Euro und einem durchschnittlichen täglichen Handelsvolumen von 190.000 Kontrakten. Mit einem Umsatz von 3,7 Mrd. Euro zählt sie zu den mittelgroßen europäischen Börsen. Zusammen mit Euronext hat die Borsa Italiana den Markt für den Großhandel mit italienischen Staatsanleihen MTS übernommen. "Die Erfahrungen sind sehr gut, mit einem optimalen Geist der Zusammenarbeit", sagte der italienische Börsenchef. (APA)

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