Frankreich: Siebenfacher Mord an jungen Frauen

7. Juni 2006, 20:14
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Berufungsprozess nach drei Jahrzehnten - 72-Jähriger in Paris vor Gericht

Paris - Folter, Vergewaltigung und die Ermordung von sieben Mädchen und jungen Frauen vor drei Jahrzehnten in Frankreich wird jetzt vor dem Pariser Geschworenengericht neu aufgerollt. Am Dienstag begann der Berufungsprozess gegen den 72-jährigen Busfahrer Emile Louis, der in erster Instanz als Täter zu einer lebenslangen Haft verurteilt worden war. Louis hat immer seine Unschuld beteuert, und sein Anwalt Alain Fraitag sieht "keinen überzeugenden Beweis für seine Schuld in den Justizakten". Der Prozess dauert bis 30. Juni.

Der bereits wegen anderer Verbrechen rechtskräftig verurteilte Louis war im November 2004 vor einem Geschworenengericht in Auxerre für schuldig befunden worden, zwischen 1975 und 1979 im Nordburgund die geistig behinderten Opfer "mit Vorsatz" ermordet zu haben. Die jungen Frauen im Alter zwischen 15 und 26 Jahren waren damals spurlos verschwunden, wobei sich eine jahrelange Untätigkeit der Behörden zu einem Justizskandal ausweitete. Mangelnde Kommunikation zwischen den verschiedenen Sozialdiensten und Behörden hatten nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft die "Schlampereien" damals mitverursacht.

Als Busfahrer stand Louis in täglichen Kontakt zu den jungen Frauen, die er von ihren Wohnheimen zu sozialen Tagesstätten brachte. In Untersuchungshaft hatte er im Jahr 2000 die Morde gestanden, die Polizei stieß seinen Angaben folgend auf zwei verscharrte Leichen. Louis widerrief sein Geständnis später wieder und stritt vor Gericht die Taten immer ab. "Es tut mir Leid für die betroffenen Familien, aber ich bin unschuldig", war sein Schlusswort im ersten Prozess. (APA/dpa)

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