Zumindest gut gemeint

6. Juni 2006, 18:38
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Die Präsentation der "manuskripte"-Autoren in Paris

Die Präsentation österreichischer Autoren am Pfingstwochenende im Pariser Théâtre du Rond Point, eine Veranstaltung im Rahmen des Hanns-Koren-Jahres, stand unter keinem guten Stern, da sich die Organisatoren im Vorfeld zerstritten hatten. Die Befürchtungen einer Blamage bewahrheiteten sich jedoch nicht: Die Nachmittagsveranstaltung besuchte zwar nur eine Hand voll Menschen, am Abend aber war das Theater recht voll. Und nicht nur die Zeitung Le Monde berichtete.

Die Idee von Heimo Steps, dem Organisator des Programms in Gedenken an den steirischen Kulturpolitiker Hanns Koren, war lobenswert: Sechs junge Autoren (Olga Flor, Sonja Harter, Gerhild Steinbruch, Stefan Schmitzer, Johannes Schrettle und Andrea Stift) sollten ihre Texte dem Pariser Publikum zugänglich machen. Aus diesem Grund wurde eine von Alfred Kolleritsch zusammen mit Steps herausgegebene Spezialnummer der manuskripte auf Französisch veröffentlicht: Beiträge u. a. von Gert Jonke, Klaus Hoffer und Barbara Frischmuth ergänzen die Texte der Jungautoren.

Der in Paris lebende Übersetzer Heinz Schwarzinger, der seit 20 Jahren österreichische Literatur in Frankreich fördert, übernahm die Koordination und Moderation. Das vom Land Steiermark finanzierte Hanns-Koren-Jahr ließ sich die Präsentation 45.000 Euro kosten; lediglich 5000 Euro steuerte, so Heimo Steps, das österreichische Kulturforum in Paris bei.

Wenige Tage vor dem Abflug kam es zum Krach zwischen Steps und Kolleritsch, was dazu führte, dass der manuskripte-Herausgeber und Klaus Hoffer absagten. Fünf der sechs jungen Autoren taten es ihnen aus Solidarität gleich. Nur Stefan Schmitzer war begierig, persönlich die Publikumsreaktionen auf sein Gedicht Der Zentaur zu erleben. Gert Jonke kam ebenfalls und hielt sich diplomatisch aus dem Inner-Grazer-Konflikt heraus. Sein von einem französischen Schauspieler vorgetragener Text Kostenloser Redner rund um die Uhr wurde zur Sternstunde der umstrittenen Veranstaltung.

Steps hatte kurzfristig auch Günter Eichberger, Gabriel Loidoldt und Martin Wanko eingeladen. Der Titel von Eichbergers projizierter Dokumentarfilm-Collage, 1980 anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Forum Stadtpark aus ORF-Videomaterial zusammengestellt, Wer nicht für mich ist, ist gegen mich, brachte die Haltung der Organisatoren auf den Punkt ... (DER STANDARD, Printausgabe, 7.6.2006)

Von Olga Grimm-Weissert aus Paris
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