Rotes Kreuz: "Verschwindenlassen" im Kosovo geht weiter

7. Juni 2000, 13:28

"Seit dem Ende des Krieges sind uns rund 300 Fälle von Vermissten gemeldet worden, die meisten von ihnen sind Serben"

Genf - Im Kosovo "verschwinden" auch ein Jahr nach dem Einmarsch der Friedenstruppe KFOR immer noch Menschen. "Seit dem Ende des Krieges sind uns rund 300 Fälle von Vermissten gemeldet worden, die meisten von ihnen sind Serben", sagte Andreas Wigger, Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), am Mittwoch in Genf. Insgesamt sucht das Rote Kreuz mittlerweile nach 3.368 Menschen die in der jugoslawischen Krisenprovinz seit Anfang 1998 verschwunden sind.

Die Mehrheit der Vermissten sind Kosovo-Albaner, die während der NATO-Luftangriffe von jugoslawischen Militärs, Polizisten und Angehörigen serbischer Milizen verhaftet oder verschleppt wurden. "Ein Großteil dieser Menschen ist wahrscheinlich getötet worden", erklärte der IKRK-Delegierte. Laut Wigger konnte das Rote Kreuz inzwischen das Schicksal von 1.573 Vermissten aus dem Kosovo aufklären. 199 von ihnen sind tot. 1.374 Verschwundene konnten Rotkreuz-Mitarbeiter in Gefängnissen besuchen. Das IKRK hat nun ein Buch mit den Namen aller Vermissten veröffentlicht, das bei der Suche nach den Verschwundenen helfen soll. (APA/dpa)

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