15 Prozent gaben bisher Vollgas

21. Juli 2006, 16:05
160 Postings

Gorbach sieht "eindrucksvollen Erfolg" - VCÖ kritisiert hohe Kosten, steigende Unfallgefahr und Umweltbelastung

Wien - Für Verkehrsminister Hubert Gorbach (BZÖ) ist die Sache klar. Die "Halbzeitbilanz schaut sehr erfreulich aus." Ein "eindrucksvoller Erfolg allen Unkenrufen zum Trotz." Ein "Meilenstein in der europäischen Verkehrspolitik". Das alles sei der "Pilotversuch der Flexibilisierung der Höchstgeschwindigkeiten auf Österreichs hochrangigem Straßennetz", besser bekannt unter dem Namen "Tempo 160". Nach einem Monat des testens zog Gorbach am Dienstag ein Zwischenresümee, die von ihm gefeierten Erfolge können aber nicht alle nachvollziehen.

Übertretungen betreffen zu 70 Prozent Lastwagen

15 Prozent aller Kraftfahrzeuge fuhren im Mai auf den zwölf Kilometern der Teststrecke auf der Tauernautobahn zwischen Paternion und Spittal zwischen 155 und 160 Stundenkilometer, wenn das auch erlaubt war. Weitere 25 Prozent fuhren zwischen 145 und 155 Km/h, nutzten die Möglichkeit zum Gas geben also nicht bis zum letzten Tachonadelzucker aus. Im Umkehrschluss blieben damit aber auch 60 Prozent aller Pkw und Lkw unter Tempo 145 - für Gorbach ein Beleg, dass eben nicht blinde Raserei die Folge seines Lieblingsprojektes sei. Und die rund tausend Anzeigen wegen Geschwindigkeitsübertretung betreffen zu 70 Prozent Lkw, die in der Nacht zu schnell waren.

Mangelnder Bedarf

Beim Verkehrsclub Österreich (VCÖ) interpretiert man die Zahlen anders: Wenn nur 15 Prozent der Autofahrer tatsächlich 160 fahren, zeigt das den mangelnden Bedarf. Die über fünf Millionen teure Verkehrsbeeinflussungsanlage samt Section Control sollte besser an unfallträchtigen Autobahnabschnitten eingesetzt werden, argumentiert Wolfgang Rauh vom VCÖ. Auch die Verkehrssprecher von SPÖ und Grünen, Kurt Eder und Gabriela Moser, kritisieren hohe Kosten und steigende Unfallgefahr sowie Umweltbelastung durch das Projekt.

Was der Verkehrsminister wiederum so nicht gelten lässt. Im untersuchten Monat Mai habe es keinen Unfall gegeben, am vergangenen Wochenende einen - der sich allerdings in der Nacht ereignete, als Tempo 110 galt. Zu Schadstoffausstoß und Lärmbelastung nannte Gorbach keine konkreten Daten. Der Tendenz nach bleibe die Umweltbelastung aber gleich, Schwankungen lägen im Bereich der Messtoleranz, beteuerte der Minister. (moe, DER STANDARD - Printausgabe, 7. Juni 2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Tempo 160 ist für den Verkehrsminister ein "eindrucksvoller Erfolg".

Share if you care.