"Gute Diskussion" im Atomstreit

7. Juni 2006, 16:14
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Teheran reagiert nach Angebotspaket verhalten positiv - Diskussionsbedarf zu den Vorschlägen der Vetomächte des UN-Sicherheitsrats und Deutschlands

Teheran/New York - Im Streit um das iranische Atomprogramm hat sich die Führung in Teheran in einer ersten Reaktion vorsichtig zustimmend zu dem Angebotspaket geäußert, das EU-Chefdiplomat Javier Solana am Dienstag nach Teheran überbracht hat. Die Vorschläge enthielten "positive Schritte", sagte der iranische Chefunterhändler Ali Larijani nach einem Treffen mit Solana. Enthalten seien aber auch "Zweideutigkeiten", die geklärt werden müssten.

Diskussionen und Studien

Kernstück des Pakets, dessen Einzelheiten noch nicht bekannt wurden, ist laut New York Times das Angebot der USA, sich direkt an den Verhandlungen mit Teheran zu beteiligen. Vor Journalisten sprach Larijani von einer "guten Diskussion" mit Solana, die etwas mehr als zwei Stunden lang gedauert habe. Die Vorschläge müssten aber noch eingehend geprüft werden, es gebe noch viel Diskussionsbedarf. Solana bestätigte, es müsse unbedingt noch mehr Diskussionen und Studien geben. Allgemein seien die Gespräche aber "sehr konstruktiv" gewesen.

Flugzeugflotte

Im Kern geht es bei dem Angebotspaket darum, den Iran durch wirtschaftliche Anreize, aber auch durch Androhung von Sanktionen dazu zu bringen, die Anreicherung von atomwaffenfähigem Uran auszusetzen. Die iranische Führung hat einen Verzicht auf die Urananreicherung bisher abgelehnt. Laut New York Times sehen die in dem Paket enthaltenen Handelsanreize vor, Teheran den Kauf von Flugzeugteilen bei Boeing und Airbus zu ermöglichen.

Damit könnte der Iran seine wegen der 1979 verhängten US-Sanktionen völlig veraltete Flugzeugflotte modernisieren. Wie die Zeitung unter Berufung auf europäische Diplomaten und einen ranghohen US-Regierungsvertreter am Dienstag weiter berichtete, soll Teheran ferner bei seinem Wunsch nach einer Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation unterstützt werden, wenn es die Uran-Anreicherung aussetzt. Zudem solle es Hilfe beim Bau eines Leichtwasserkraftwerks erhalten. Israel unterstütze das Angebotspaket, hieß es weiter.

Treffen zwischen Chirac und Merkel

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Jacques Chirac brachten am Dienstag bei einem Treffen in Schloss Rheinsberg in Brandenburg ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass der Iran auf die angebotene Verhandlungslösung im Atom-Konflikt positiv reagieren werde. (dpa, AFP, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 7.6.2006)

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    Javier Solana (rechts) und Manucher Mottaki (li., jeweils mit Blick zur Kamera) bei ihrem Treffen in Teheran.

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