Bilanz 2005: 6,2 Millionen Gewinn

22. Juni 2006, 19:55
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Vorsteuerverlust wegen Refco-Kredit - Operativer Gewinn bei 217 Millionen Euro rückläufig - Kunden­rückgewinnung angesagt

Wien - 24 Stunden nach dem Durchbruch für den Vergleich mit den Refco-Opfern in den USA hat die Bawag P.S.K. ihre mit Spannung erwartete Bilanz 2005 vorgelegt. Bilanzierungsfähig wurde die Bawag für 2005 nur mit Hilfe einer 900 Millionen Euro umfassenden Haftung der Republik Österreich. Im Zahlenwerk eins zu eins ersichtlich ist die Garantie nicht.

Die Refco-belastete Bilanz musste wegen Bewertungs-Debatten von einem neu zugezogenen Wirtschaftsprüfer ein weiteres Mal unter die Lupe genommen werden. Die jetzige druckfrische Bilanz ist Basis für den Verkauf der Bank. Der Verkaufsprozess kann nun offiziell starten.

Abschreibungen, Rückstellungen

In der Bilanz wiegen vor allem Refco-Schäden und Karibik-Altlasten schwer: 1 Mrd. Euro musste an Abschreibungen, Kosten für das Refco-Settlement, Refco-Kredite und den Fall "Jericho" abgeschrieben, wertberichtigt oder rückgestellt werden. Außerdem wurden mit der Fusionsbilanz zum Oktober 2005 Wertberichtigungen alter - früher mit ÖGB-Haftung versehener - verlustreicher Karibikkredite über 534 Mio. Euro vorgenommen. Dieser halben Milliarde standen aber gleich hohe Aufwertungen im Zuge der Fusion von Bawag und P.S.K. gegenüber. Diese Aufwertungserträge umfassten unter anderem im Einzelnen Darlehen (136 Mio. Euro), Wertpapiere (33 Mio. Euro), Grundstücke und Gebäude (64 Mio. Euro) und Beteiligungen (54 Mio. Euro).

Für die eine Milliarde Euro an Abschreibungen und Rückstellungen wurde als Gegenposition in der heute beschlossenen Bilanz 2005 eine Rückstellung über 210 Mio. Euro verwendet, die beim Verkauf der Beteiligung von Refco für Risiken aus dieser Position gebildet worden sei, wie es in den Erläuterungen heißt.

Unter dem Strich weist die Bilanz einen kleinen Gewinn von 6,2 Mio. Euro aus - im Jahr davor wies die Bank (vor der Fusion Bawag P.S.K.) 113,3 Mio. Euro Konzernjahresüberschuss aus. Vor Steuern gab es wegen der Refco-Risikokosten 2005 aber einen Verlust von 8,9 Mio. Euro.

Bundesgarantie in Kraft

Nach dem Abschluss des Vergleichs in den USA am Pfingstmontag trat am Dienstag die Bundesgarantie in Kraft. Auf Basis dieser Haftungserklärung des Bundes wurde die Bilanz der Noch-Gewerkschaftsbank vom Aufsichtsrat und von der Hauptversammlung am Nachmittag beschlossen. Für die Testierung wurden die Wirtschaftsprüfer beigezogen.

Noch wartet die Bank auf die Eigenkapitalspritze durch Konkurrenzbanken und Assekuranzen. "Mit dem Abschluss aller Restrukturierungsmaßnahmen ist die Bank nun gut gerüstet, künftigen Herausforderungen zu begegnen", erklärte der seit 1. Jänner 2006 amtierende Vorstandschef Ewald Nowotny am Dienstag bei seiner Bilanzpressekonferenz.

"Neustart"

Zuvor hatte am Nachmittag der Aufsichtsrat getagt. Dessen Vizepräsidentin Dwora Stein sprach beim Eintreffen vor den wartenden Journalisten von einem Neustart für die Bank. "Ja, davon gehe ich auf jeden Fall aus".

Nowotny: "Mit der Bilanz 2005 kann ein Schlussstrich unter die Vergangenheit gezogen werden. Gleichzeitig ist dies auch der Start in die Zukunft der neuen Bawag P.S.K", findet der Generaldirektor. Die ganze Konzentration und Anstrengungen gälten nun wieder ausschließlich dem Bankgeschäft und den Kunden. Nowotny ist "zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, die Kunden von der neuen Bawag P.S.K. zu überzeugen."

Operatives Geschäft "zufrieden stellend"

Die Konzernbilanz 2005 ist der erste Jahresabschluss nach der Fusion von Bawag und P.S.K. Daher sind die Zahlen mit den Vorjahreswerten nicht direkt vergleichbar.

Die Entwicklung des operativen Bankgeschäftes war im Jahr 2005 nach Vorstandsangaben "durchwegs zufrieden stellend". Das operative Ergebnis des Jahres 2005 lag bei 217 Mio Euro. Ohne Sondereffekte im Zinsergebnis läge das operative Ergebnis, das in etwa dem Betriebsergebnis gemäß BWG entspricht, auf dem Vorjahresniveau von 280 Mio. Euro, berichtete die Bank.

Aufs Zinsergebnis (Zinsüberschuss: 663,2 Mio. Euro) hätten sich "Maßnahmen in Zusammenhang mit der Fusion von Bawag und P.S.K." mit rund 60 Mio. Euro belastend ausgewirkt. Zudem sei die Darstellung des Ergebnisses "umgegliedert" worden. So werde der Nettozinsertrag um 7,4 Prozent unter Vorjahr ausgewiesen. Ohne diese "Sondereffekte" läge das Zinsergebnis 30 Mio. Euro über Vorjahr, so die Bawag. Beim Provisionsergebnis gab es ein Plus von 24,2 Prozent auf 177,5 Mio. Euro. Das lag vor allem an mehr Wertpapierverkäufen.

Spareinlagen gestiegen

Die Eigenmittel der Bawag P.S.K.-Gruppe beliefen sich nach der vorliegenden Bilanz zum Ultimo 2005 auf 3,3 Mrd. Euro, die Eigenmittelquote bei 11,6 Prozent. Die Kernkapitalquote wurde in der ersten Bilanz nach dem Refco-Desaster mit damals 7,9 Prozent beziffert.

Die Bilanzsumme betrug zum Ultimo 57,898 Mrd. Euro, ein Plus um 2,9 Prozent. Die Spareinlagen lagen bei 18,24 Mrd. Euro, im Vergleich zu 2004 ein kleiner Zuwachs von 2,4 Prozent. Nach Auffliegen der Karibik-Verluste und Eskalation der Refco-Affäre haben im heurigen Frühjahr viele Sparer Gelder von der Gewerkschaftsbank abgezogen.

Ende 2005 beschäftigte die Bawag P.S.K.-Gruppe 6.632 Mitarbeiter, im Jahr davor waren es 6.275 gewesen.

Tabelle: Eckdaten der Bilanz 2005

Konzern                             2005     2004   Veränderung
                                     in Mio. Euro    in Prozent

Zinsüberschuss 663,2 715,9 -7,4 Risikovorsorge im Kreditgeschäft -280,6 -118,0 137,8 Provisionsüberschuss 177,5 142,9 24,2 Handelsergebnis 13,6 7,7 76,6 Verwaltungsaufwand -637,7 -586,6 8,7 Sonstiger betrieblicher Erfolg 55,1 8,5 versechsfacht Jahresüberschuss vor Steuern -8,9 170,4 Jahresüberschuss 3,6 138,3 -97,4 Konzernjahresüberschuss 6,2 113,3 -94,6

Bilanzsumme                        57.898   56.271     +2,9
Spareinlagen                       18.241   18.692     -2,4
Sonstige Einlagen                  10.886   12.610    -13,7
Forderungen an Kunden              28.273   29.446     -0,6
Mitarbeiter zum Bilanzstichtag      6.632    6.275
 (auf Vollzeitkräfte umgelegt)
(APA)
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Vorstandschef Nowotny, ÖGB-Präsident Hundstorfer am Dienstag bei der Präsentation der Bilanz 2005.

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