NATO verletzte im Jugoslawien-Krieg Menschenrecht

7. Juni 2000, 13:21

Amnesty International: Die Allianz habe bei der Bombardierung mehrerer Ziele bewusst in Kauf genommen, dass dabei Zivilisten getötet würden

London - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat der NATO Menschenrechtsverletzungen während der Luftangriffe auf Jugoslawien im vergangenen Jahr vorgeworfen. Die NATO habe bei der Bombardierung mehrerer Ziele bewusst in Kauf genommen, dass dabei Zivilisten getötet würden, teilte Amnesty am Mittwoch in London mit. Deshalb müssten die Angriffe auf einige Brücken und auf das Gelände des staatlichen Rundfunks rechtliche Folgen haben. Die NATO-Staaten müssten diejenigen vor Gericht bringen, die für die Verstöße gegen das Menschenrecht verantwortlich seien. Amnesty wolle die NATO- Luftangriffe auf Jugoslawien von Ende März bis Mitte Juni vergangenen Jahres aber nicht grundsätzlich in Frage stellen.

Die Chefanklägerin des UNO-Kriegsverbrecher-Tribunals im niederländischen Den Haag, Carla Del Ponte, hatte am vergangenen Freitag jegliche Ermittlungen ihrer Behörde gegen die NATO wegen der Luftangriffe auf Jugoslawien abgelehnt. Die Untersuchungen ihrer Mitarbeiter hätten keine ausreichende Grundlage für derartige Ermittlungen ergeben, hatte sie vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO) gesagt. Obwohl die NATO im Jugoslawien-Krieg Fehler begangen habe, seien nicht absichtlich zivile Ziele bombardiert oder militärische Anlagen angegriffen worden, deren Beschuss gesetzeswidrig sei.

Nach Angaben von Amnesty waren während der NATO- Bombardements zwischen Ende März und Mitte Juni 1999 beim Angriff auf das Gelände des staatlichen Rundfunks Serbiens 16 Zivilisten getötet worden. Serbien habe die Zahl der während der Luftangriffe getöteten Zivilisten auf insgesamt 400 bis 600 geschätzt. Die Zahl könne weit niedriger liegen, wenn sich die NATO an das internationale Kriegsrecht gehalten hätte, erklärte Amnesty. (Reuters)

Share if you care.