Günter Grass ging es in Bremen ähnlich

6. Juni 2006, 16:45
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"Blechtrommel" war 1959 offenbar zu pornografisch für den Literaturpreis der Hansestadt

Bremen - Für die Weigerung des Düsseldorfer Stadtrats, Peter Handke den Heinrich-Heine-Literaturpreis der Stadt zuzuerkennen, gibt es eine frühe Parallele im Nachkriegsdeutschland. Im Dezember 1959 lehnte es der Bremer Senat ab, Günter Grass für sein Werk "Die Blechtrommel" mit dem Literaturpreis der Freien Hansestadt auszuzeichnen. Eine Jury hatte zuvor die Preisvergabe an Grass empfohlen. In der offiziellen Begründung des Senats hieß es, eine Auszeichnung würde eine Diskussion hervorrufen, die "nicht den unbestrittenen literarischen Rang des Buches" im Auge habe. Sie würde eher "weite Bereiche des Inhalts nach außerkünstlerischen Gesichtspunkten kritisieren".

"Man war sich im Senat nicht sicher, ob man mit der 'Blechtrommel' nicht ein pornografisches Werk auszeichnen würde", erklärte am Dienstag die Geschäftsführerin der 2001 in Bremen gegründeten Günter-Grass-Stiftung, Donate Fink. Aus der später nachhaltig kritisierten Entscheidung der Landesregierung zog man nach den Worten Finks bereits zwei Jahre später die Konsequenz: Die Vergabe des Literaturpreises wurde der eigens zu diesem Zweck gegründeten Rudolf- Alexander-Schröder-Stiftung übertragen. "Damit wurde eine bedeutende kulturelle Entscheidung unabhängig von politischen Konstellationen gemacht", sagte Fink.

Benannt ist die Stiftung nach dem Bremer Dichter Rudolf Alexander Schröder (1878-1962), zu dessen Geburtstag am 26. Jänner der Bremer Literaturpreis jeweils vergeben wird. Lediglich das Preisgeld wird weiter von der Regierung zur Verfügung gestellt. (APA/dpa)

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