Weizmann Institut: Forschung mit "besonderem Geist"

13. Juni 2006, 13:59
posten

Gugging-Vorbild sichert 80 Patente jährlich - Finanzierung durch Schenkungen und Technologie-Transfer

Wien/Tel Aviv - Dass in Maria Gugging (NÖ) ein "neues" Weizmann Institut entstehen könnte, kann sich dessen aktueller Präsident Ilan Chet nur mit Abstrichen vorstellen. "Technisch wäre es schon möglich", so die Einschätzung des Wissenschafters, den Geist könne man aber so schnell nicht kopieren. Das Weizmann-Institut in Rehovot (Israel) hat sich den Naturwissenschaften und den so genannten exakten Wissenschaften verschrieben, es wird überwiegend interdisziplinär geforscht. Und im administrativen Bereich gilt in Rehovot: Finanzierung durch Patente, ausgeklügelten Technologie-Transfer und Schenkungen.

An den Besuch von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer mit einer Delegation an seinem Institut kann sich Chet noch entfernt erinnern: "Ja, es ist viel gefragt worden, wie es hier funktioniert", erzählt er. Über das österreichische Projekt weiß Chet aber sonst nicht viel. Was die Infrastruktur betreffe, könne man so etwas natürlich überall auf der Welt aufbauen, analysiert er. Was den Rest betrifft, ist er sich nicht mehr so sicher. Dass sein Vorgänger als Präsident, Haim Harari, im österreichischen Experten-Team sitzt, ist ihm aber wohl bekannt.

Das bürokratische Problem

Wenn er an die Teilnahme an EU-Programmen denkt, streicht Chet heraus, dass dies sehr wohl eine "sehr große Sache" sei, jedoch muss er dabei auch an das "bürokratische Problem" denken, das vorherrsche. Ganz im Gegensatz zu Österreich habe die Regierung die Förderungen für Forschung in Israel eben erst um 20 Prozent gestrichen. Bei der Finanzierung von Infrastruktur und Forschung sind Schenkungen nicht unwichtig. 20 Prozent des jährlichen Budgets von 200 Millionen Euro kommen daraus. Kaum ein Trakt, der nicht einem Gönner gewidmet ist, Schriftzüge prägen das gesamte Gelände.

Geld lukriert wird aber in erster Linie durch Technologie-Transfer, hier etwa durch die bereits 1959 gegründete Firma Yeda. Sie hat sich unter anderem die Patente für zwei Medikamente gegen Multiple Sklerose oder die Rechte für eine TV-Verschlüsselungskarte, die von den US-Sendern Fox und Sky genutzt wird. Knapp 80 Patente werden jährlich angemeldet, insgesamt ergibt das seit dem Bestehen 1.700 registrierte Innovationen. Die Forscher erhalten 40 Prozent aus den Erlösen, weitere 40 fließen an das Institut, der Rest in die Forschung.

Forschung mit "besonderem Geist"

Der heutige Campus ging aus dem Daniel-Sieff-Forschungsinstitut hervor, das 1934 gegründet wurde. Treibende Kraft hinter der Gründung war der berühmte Chemiker Chaim Weizmann, der später erster Staatspräsident Israels wurde. 75 Gebäude befinden sich auf dem Areal, wo mehr als 2.500 Wissenschafter arbeiten. Und auch das zählt zum "besonderen Geist", den Chet immer wieder erwähnt: "Wir versuchen hier, die besten Bedingungen für die Mitarbeiter zu schaffen", so gibt es auf dem Gelände einen Kindergarten, Gastronomie und Schulen, die ganze Familie soll sich hier wohl fühlen, das Weizmann Institut beinhaltet ein "ganzes Konzept".

Dementsprechend gendertauglich ist auch der universitäre Zweig, die Feinberg Graduate School, an der die Hälfte der Studenten weiblich sind. Weniger ausgeglichen sieht es in der Forschung aus, da beträgt der Frauenanteil nur mehr 20 Prozent. Warum das so ist? "Viele entscheiden sich dann für die Familie", erklärt Chet. (APA)

Share if you care.