Erregungen im Vorfeld

11. Juni 2000, 18:59

Kritiken seitens der FPÖ - In der Krone vermeidet Marboe den Begriff Kunst - Grüne Kritik an Marboe - Marboe-Kritik an FPÖ

Wien - Die Erregung um das Festwochenprojekt des deutschen Theater- und Politaktionisten Christof Schlingensief nahm im Vorfeld der Veranstaltung zu. Luc Bondys Einladung an Schlingensief hatte zu Protesten der Wiener FPÖ geführt, deren Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner Wiens Kulturstadtrat Peter Marboe (V) aufforderte, Schlingensief wieder auszuladen.

Distanz zu dem Projekt hatte Kulturstadtrat Marboe bekundet, der in der "Kronen-Zeitung" (Donnerstag-Ausgabe) erklärte, dass es ihm unbegreiflich sei, "dass die Festwochen so etwas machen". Marboe weiter: "Ich vermeide bewusst das Wort Kunst in diesem Zusammenhang."

Kritik an der Marboe-Kritik kam von den Wiener Grünen, deren Kultursprecherin Friedrun Huemer in einer Aussendung monierte, dass Marboe bereits im Vorfeld ein Kunstprojekt aburteile, das er noch gar nicht kennen könne. "Die Verantwortung des künstlerischen Niveaus für die Festwochen liegt bei den zuständigen IntendantInnen. Ihr persönlicher Geschmack für oder gegen einzelne Projekte aus dem Festwochenprogramm ist unerheblich und - wie ich hoffe - ohne weitere Konsequenz für die Durchführung", so Huemer in dem Schreiben.

F-Kultursprecherin Unterreiner erklärte zuvor in einer Aussendung, "es ist zwar schön, dass VP-Stadtrat Marboe die Haltung der Freiheitlichen übernommen hat, ich frage mich aber wie er seine bisher gemachten Fehler wieder gutmachen will" und erinnert an ihre Forderung, Schlingensief auszuladen.

Als "neuerlichen Gipfelpunkt der Selbstentlarvung und des grundsätzlichen Unverständnisses für eine offene und freie Kulturpolitik in Wien" bezeichnete Kulturstadtrat Peter Marboe (V) einen Tag später in einer Aussendung die Aufforderung der Wiener FP-Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner, Schlingensief wieder auszuladen auszuladen. In einem "offenen und urbanen Kulturklima" gehe es nicht um "Vorzensuren, präventive Verbote und die Einschränkung der künstlerischen Autonomie".

Vielmehr müsse man eine künstlerische Auseinandersetzung annehmen und sich zu den grundsätzlichen Prinzipien der künstlerischen Freiheit bekennen - "gerade, wenn es schwierig ist", betonte Marboe. "Entlarvend und bedrohlich" nannte Marboe den Vorwurf Unterreiners, sich beim Vertragsabschluss mit dem designierten Festwochenintendanten Luc Bondy nicht "in künstlerische Belange eingemischt" und damit jegliche politische Verantwortung aufgegeben zu haben.

Die künstlerische Leitung der Wiener Festwochen habe sein "volles Vertrauen", so Marboe. Der "unbestrittene Theatermagier" Bondy sei ein "großes Glück für Wien, und ich bin froh, dass er sich bereit erklärt hat, ab dem Jahr 2002 die künstlerische Gesamtverantwortung für die Wiener Festwochen zu übernehmen". (APA)

Share if you care.