"Reporter ohne Grenzen" verurteilen mutmaßlichen Hamas-Angriff auf TV

16. Juni 2006, 13:21
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Haniyeh muss "alles in seiner Macht Stehende tun, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen"

Die internationale Organisation für die Verteidigung der Medienfreiheit, "Reporter ohne Grenzen" (RSF), hat den Angriff auf das Büro des Nationalen Palästinensischen Fernsehsenders am Montag im Süden des Gaza-Streifens verurteilt. "Sollte bewiesen werden, dass die Angreifer Mitglieder der Hamas sind, muss der Premierminister (Ismail Haniyeh) alle notwendigen Konsequenzen ziehen und die Aktivisten und Sympathisanten seiner Partei zur Ordnung rufen", forderte die Organisation am Dienstag in einer Aussendung.

"Klima der Unsicherheit"

"Reporter ohne Grenzen" weist Haniyeh auf "das Klima der Unsicherheit" hin, in dem Journalisten in den Palästinenser-Gebieten ihre Arbeit verrichten. "Es ist unabdingbar, dass effiziente Maßnahmen gesetzt werden, um die Sicherheit und die körperliche Integrität der Journalisten sicherzustellen. Außerdem fordern wir Ismail Haniyeh auf, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um die näheren Umstände des Angriffs ans Tageslicht zu bringen. Es ist untragbar, dass Journalisten in Ausübung ihres Berufs derartig behandelt werden. Diese Gewalt darf nicht ungestraft bleiben", betont die Organisation.

"Etwa 100 bewaffnete Männer, Mitglieder der Ezzedin-al-Kassam-Brigaden (des bewaffneten Arms der Hamas) sind in das Fernsehzentrum in Khan Younis eingedrungen", wurde Bassam Abdallah, Kameramann des Fernsehsenders, von "Reporter ohne Grenzen" zitiert. "Die Bewaffneten haben auf Ausrüstung geschossen, Kameras zerstört und sowohl mich selbst als auch Büroleiter Ahmed Sager geschlagen", so Abdallah weiter. Wie der Journalist Mohammed Jouda angab, "sind die Männer der Hamas auch auf das Dach des Gebäudes gestiegen und haben dort mit automatischen Schusswaffen die Satellitenschüsseln und die technischen Geräte zur Rundfunkübertragung zerstört".

Hamas-Sprecher Sami Abu Zouhri beteuerte, dass seine Bewegung nichts mit dem Angriff zu tun habe. Die Hamas-Aktivisten hatten den von Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas kontrollierten Fernsehsender zuvor mehrmals beschuldigt, Informationen zu verbreiten, die gegen die islamische Bewegung gerichtet sind. (APA)

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