Die Hatz beginnt

12. Juni 2006, 16:53
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"Bruno" ist unter- getaucht - Bald droht "kurzer Prozess" - Ein finnischer Jagdtrupp rückt aus - WWF bekommt "Bärenmobil"

Innsbruck/München – „Wir versuchen ihn in den nächsten zwei Wochen zu fangen. Falls das nicht gelingt und er weiter gefährliche Unternehmungen setzt, werden wir kurzen Prozess mit ihm machen“, erklärte Tirols Umweltlandesrat Anton Steixner am Dienstag. Mit seinen Ausführungen hatte Steixner jenen Bären gemeint, der seit einigen Wochen das Grenzgebiet zwischen Bayern und Österreich unsicher macht.

Bisher gibt es nur ein Foto des Tatzentouristen, Bilder von seinen tierischen Opfern gibt es zuhauf: Seit 20. Mai reißt er in mehr oder weniger langen Abständen Schafe und Federvieh. „JJ1“, vor seiner Identifizierung auch bekannt unter dem Namen „Bruno“, zeigte bisher keine Scheu, sich bewohntem Gebiet zu nähern. In Bayern darf er deshalb geschossen werden, in Tirol hat er noch Gnadenfrist.

Alle Beteiligten bemühen sich, das Tier lebend einzufangen. Wenn sie damit Erfolg haben, soll der Bär wieder zurück in seine Heimat Italien überstellt werden.

Finnische Bärenfänger

Für die bisherigen Fangbemühungen seien in Tirol schon 6.000 Euro ausgegeben worden, fasste Steixner zusammen. Nach vielen erfolglosen Versuchen, das Tier zu fassen, sollen nun wie angekündigt Jäger aus Finnland die Fährte aufnehmen. Mit karelischen Bärenhunden wollen sie „JJ1“ verfolgen. Diese Maßnahme wird – laut Steixner - 25.000 Euro kosten. Bayern, Tirol und der WWF teilen sich die Kosten für die Aktion. Bis Dienstagnachmittag waren die Verhandlungen mit den finnischen Bären-Fängern jedoch noch nicht abgeschlossen. Es seien schwierige Versicherungs- und Genehmigungsfragen zu klären, sagte ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums.

Spurlos verschwunden

Um „JJ1“ zu finden, benötigen die finnischen Jäger eine frische Spur des Bären. Seit Montagmorgen ist das Raubtier aber abgetaucht. In der Nacht zum Montag erlegte es drei Schafe am Lautersee, nahe der österreichischen Grenze – und nur wenige Meter von bewohnten Häusern entfernt. Der jetzige Aufenthaltsort des Tieres ist nach Einschätzung jener WWF-Experten, die mit einem Team seit Wochen versuchen, den Bären in eine Falle zu locken, vollkommen unklar. „Er ist ein ziemlicher Herumtreiber und sehr spontan, was seine Wanderungen angeht“, sagte Jörn Ehlers, Sprecher des deutschen WWF. Daher könne nicht gesagt werden, ob der Bär wieder nach Tirol gewandert sei oder sich auf deutschem Gebiet aufhalte.

Bäriges Auto

Das WWF-Team wird ab Mittwoch eine zweite Bärenfalle zur Verfügung haben und auch ein neues Fahrzeug bekommen, erzählte Ehlers. Das neue von einer Firma gesponserte „Bärenmobil“ werde von der Allgäuer Alpenmilch GmbH gestellt – die bekannteste Marke des Unternehmens ist „Bärenmarke“. Das bisherige Auto eines Bärenexperten, das seit Wochen die zweieinhalb Meter lange Bärenfalle auf einem Anhänger durch die bergige Region zieht, sei fast kaputt. „Das verbraucht mehr Öl als Benzin“, sagte Ehlers. (Julian Ausserhofer, DER STANDARD - Printausgabe, 7. Juni 2006)

  • Drei Schafe riss der Braunbär "JJ1"am Lautersee, unweit der österreichischen Grenze. Seitdem fehlt von ihm jede Spur.
    foto: epa/frank leonhardt

    Drei Schafe riss der Braunbär "JJ1"am Lautersee, unweit der österreichischen Grenze. Seitdem fehlt von ihm jede Spur.

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