Zwölf Last-Minute-Tickets

10. Juni 2006, 13:31
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Der Platz vor dem Fernseher war quasi schon eingenommen, jetzt dürfen sie doch noch zum Turnier

Düsseldorf - Kurz vor der Hochzeit nahm der Bräutigam Reißaus. Doch das unter normalen Umständen unverzeihliche Verhalten ihres Auserwählten brachte die alleingelassene Braut nicht in Rage. "Luciana war nicht verärgert, denn sie weiß, dass für mich ein Traum in Erfüllung geht. Zum Heiraten bleibt immer genug Zeit", sagte Mariano Pernia. Der Anruf des spanischen Nationaltrainers Luis Aragones brachte den künftigen Abwehrspieler von Atletico Madrid am frühen Morgen im fernen Argentinien um den Schlaf - und die Festvorbereitung gehörig durcheinander.

Bis 24 Stunden vor dem ersten Spiel

Ähnlich kurzfristig wie der erst vor wenigen Wochen in Spanien eingebürgerte Argentinier Pernia brachen elf weitere Profis in Richtung Nationalmannschaft auf. Vom Reglement der FIFA, das eine Nachnominierung bis 24 Stunden vor dem ersten WM-Spiel der eigenen Mannschaft ermöglicht, machten die Teamchefs bisher reichlich Gebrauch. Damit dürfte sich die Kritik einiger Trainer an dem frühen Nominierungs-Termin Mitte Mai als berechtigt erweisen.

Die Freude der Neuankömmlinge ist das Leid der Abreisenden. Beim Abschied aus dem Trainingslager in der Schweiz vor einer Woche war der Brasilianer Edmilson (Meniskusriss) den Tränen nahe. "Ich habe so gekämpft, mein Herz bleibt hier", klagte der Mittelfeldspieler von Champions-League-Sieger FC Barcelona. Ähnlich schwer fiel dem Tschechen Vladimir Smicer (Muskelfaserriss), für den der bisherige Austria Wien-Spieler Libor Sionko (Tschechien) nachrückte, die WM-Absage: "Das ist der größte Rückschlag in meinem Fußballer-Leben."

Diskussionen in Schweiz und Serbien

Nicht wahrhaben wollte der Schweizer Johan Vonlanthen seine Ausmusterung. Der 20-jährige Angreifer, der wegen einer Muskelverletzung im rechten Oberschenkel durch Hakan Yakin ersetzt wurde, meldete sich am Montag per Fax wieder gesund. "Ich fühle mich fit und bin trainingsbereit", hieß es in einem Schreiben des 17-fachen Nationalspielers an die Mannschaftsleitung.

Mit vielen Diskussionen ging auch eine Nachnominierung im Team von Serbien-Montenegro über die Bühne. Die Entscheidung von Teamchef Ilija Petkovic, seinen Sohn Dusan nachträglich in den Kader zu berufen, sorgte für reichlich Kritik. Dragan Stojkovic, ehemaliger Kapitän der jugoslawischen Mannschaft, fand deutliche Worte: "Diese Maßnahme ist skandalös." Ähnlich hohe Wellen schlug die Personalie Pernia in Spanien. Zahlreiche Kommentatoren forderten eine Nominierung von Joan Capdevila (Deportivo La Coruna), konnten Trainer Aragones jedoch nicht umstimmen.

Der Freude der Lückenbüßer über die Reise nach Deutschland taten solche Diskussionen keinen Abbruch. Mit leuchtenden Augen bestieg Edmilson-Ersatz Mineiro am vorigen Donnerstag in Brasilien das Flugzeug nach Europa. Unumwunden gab er zu, wie sehr er seine Mitstreiter bewundert: "Ich bin eigentlich ein Fan unserer Nationalspieler, vor allem von Ronaldinho."

Liste der bisher nachnominierten Spieler:

  • Bartosz Bosacki (Polen)
  • Scott Carson (England)
  • Evans Wise (Trinidad und Tobago)
  • Dusan Petkovic (Serbien-Montenegro)
  • Paulo Santos (Portugal)
  • Gregg Berhalter (USA)
  • Libor Sionko (Tschechien)
  • Mineiro (Brasilien), Teruyuki Moniwa (Japan)
  • Hakan Yakin (Schweiz)
  • Alexander Jazenko (Ukraine)
  • Mariano Pernia (Spanien).(APA/dpa)
    • Bild nicht mehr verfügbar

      Hakan Yakin.

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