Expertin rechnet mit Gewaltanstieg bei Fußball-WM

6. Juni 2006, 19:26
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Emotionalisierung und verstärkter Alkohol-Konsum könnte Fans enthemmen - Übergriffe gegen Prostituierte möglich

Dortmund - Während der Fußball-WM sind aus Expertensicht mehr gewalttätige Übergriffe auf Prostituierte möglich. "Ursachen könnten eine höhere Emotionalität nach Spielen oder verstärkter Alkoholkonsum sein", sagte die stellvertretende Leiterin der Prostituierten-Hilfsorganisation Dortmunder Mitternachtsmission, Andrea Hitzke, in einem dpa-Gespräch.

Für die Dauer der WM rechnet Hitzke mit mehr Prostituierten. Auf eine genaue Zahl wollte sich die Expertin jedoch nicht festlegen. "Der übliche Anstieg bei Messen oder großen Sportveranstaltungen wie Sechs-Tage-Rennen und Boxkämpfen wird aber nicht wesentlich überschritten werden", meinte sie. Auswärtige Prostituierte würden sich etwa in Hotels einbuchen oder sich in den Bordellen bewerben. "Es gibt auch noch Clubs, die noch Frauen suchen."

Neue Prostituierte kämen überwiegend aus Deutschland. Ausgeschlossen sei jedoch nicht, dass auch Opfer von Menschenhandel darunter seien. Die in der öffentlichen Diskussion genannte Zahl von 40.000 Zwangsprostituierten, die angeblich zur WM eingeschleust werden sollten, nannte sie jedoch eine "horrende Fantasiezahl". Im vergangenen Jahr betreute die Mitternachtsmission in Dortmund 126 Opfer von Menschenhandel, darunter 13 minderjährige Mädchen.

Hitzke rief Prostitutionskunden dazu auf, auf eventuelle Anzeichen für eine zwangsweise Beschäftigung zu achten und dies der Hilfsorganisation zu melden. Anzeichen seien Verletzungen oder Minderjährigkeit. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass zunehmend Kunden den Frauen heraushelfen wollen und auch bereit sind, das etwa als Zeugen vor Gericht zu unterstützen." (APA/dpa)

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    Schaufensterpuppe mit Fußballnase...
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