Deutschland verschärfte Gesetze gegen Menschenhandel

6. Juni 2006, 12:04
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Milliardengeschäft in Grauzonen blüht weiterhin - Alleine in Deutschland 400.000 Prostituierte

Hamburg - In Deutschland arbeiten nach Schätzungen etwa 400.000 Prostituierte, darunter wahrscheinlich rund 250.000 Frauen aus dem Ausland. Diese werden teils von Menschenhändlern aus der Ukraine, Bulgarien und Russland eingeschleust. ExpertInnen schätzen, dass jährlich zwischen 70.000 und 120.000 Frauen zur Prostitution nach Deutschland gebracht werden. Nach anderen Schätzungen kommen pro Jahr rund 140.000 Frauen in die Europäische Union.

Im Jahr 2004 griff die deutsche Polizei etwa 970 Schlepperopfer auf, mehr als zwei Drittel der Frauen reisten laut deutschem Bundeskriminalamt legal ein. Mit Versprechen, als Serviererin oder Au-pair-Mädchen Geld verdienen zu können, werden Frauen über Zeitungsinserate oder auch durch angebliche Künstleragenturen nach Deutschland gelockt. Bei der Anwerbung kommt es teils zu Gewaltanwendungen.

Sexuelle Ausbeutung

Um Menschenhandel in Zusammenhang mit Prostitution zu bekämpfen, wurden in Deutschland im vergangenen Jahr Gesetze verschärft. Demnach ist es laut Justizministerium zum Beispiel nicht nur strafbar, Menschen in die Prostitution zu treiben, sondern auch, sie in Peep-Shows oder für pornografische Darstellungen unwürdig auszunutzen. Paragraf 232 des Strafgesetzbuches droht bei "Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung" eine Haftstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren an.

Umsatz

Der Umsatz des Rotlichtmilieus in Deutschland wird auf etwa 14,5 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Das entspricht etwa dem Umsatz der KarstadtQuelle AG im vergangenen Jahr. Das meiste Geld fließt dabei in Taschen von Zuhältern und Zimmervermietern. Wie viel der Staat über Steuereinnahmen an der Prostitution verdient, ist nicht nachzuvollziehen, da sich Frauen oft als Tänzerinnen, Künstlerinnen oder Mannequins anmelden. (APA/dpa)

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    Trotz verschärfter Gesetze blüht der Frauenhandel in Deutschland ...
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