Westenthaler amüsiert sich "königlich" über ORF-Debatte

14. Juni 2006, 22:55
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"Mir kommt diese Kritik bekannt vor. Als hätten die eins zu eins aus meinen Aussendungen abgeschrieben."

Lindner noch nicht gewählt - ORF-Wahl gegen Regierungsamt Unsinn - "So stellt sich der kleine Fritzi Politik vor"

"Heuchlerisch" und "nicht ernst zu nehmen" - so kommentiert der designierte BZÖ-Obmann Peter Westenthaler im Interview mit der APA die laufende ORF-Debatte. "Ich amüsiere mich königlich, abgesehen davon, dass das für den ORF nicht gut ist", so Westenthaler, der sich in den 90er Jahren selbst immer wieder Matches mit dem öffentlich-rechtlichen Sender lieferte. "Rotfunk" lautete der Vorwurf des damligen Oppositionspolitikers.

Westenthaler verspürt nun das eine oder andere Déjà-vu. "Ich habe Ähnliches gesagt. Mir kommt diese Kritik bekannt vor. Als hätten die eins zu eins aus meinen Aussendungen abgeschrieben." Einschränkung Westenthalers: "Hätte ich damals die Ablöse eines Chefredakteurs verlangt, man hätte mich gegrillt. Gusenbauer und Van der Bellen brauchen sich nicht beschweren. Die werden doch im Vergleich zur FPÖ der 90er Jahre bestens bedient."

Jetzt eine Reformdiskussion zu führen, ist der falsche Zeitpunkt

Zu einer umfassenden ORF-Diskussion ist Westenthaler, der einer der Chefverhandler des in der Kritik stehenden ORF-Gesetzes war, jederzeit bereit. "Man kann das alles diskutieren, aber bitte ehrlich und nicht vor dem Hintergrund einer ORF-Wahl. Die große Aufregung gibt's doch nur, weil im August ein ORF-Chef gewählt wird. Jetzt eine Reformdiskussion zu führen, ist der falsche Zeitpunkt."

Lindner ist mit Sicherheit noch nicht gewählt

Zur Wahl des ORF-Generaldirektors äußert sich der künftige BZÖ-Chef zurückhaltend. "Wir haben jetzt eine Mehrheit von 18 Stiftungsräten für die Sondersitzung, ein anderes Mal gibt's wieder andere Mehrheiten. Das ist ein Zeichen lebendiger Demokratie. Das war ja auch das Ziel der ORF-Reform." Aber: "Die Entscheidung ist mit Sicherheit noch nicht gefallen. Monika Lindner ist mit Sicherheit noch nicht gewählt. Ich kann da die Aussage von Jörg Haider, dass das keine 'gemähte Wiese' ist, nur hundertprozentig unterschreiben."

Auf der Suche nach Alternativen zu Lindner sieht Westenthaler das BZÖ dennoch nicht. "Wir sehen uns nach Alternativen um, wie wir noch ein Team für die Nationalratswahl machen. Das ist nämlich unsere Veranstaltung. Stiftungsräte sind natürlich unterwegs und loten aus." Ziele wäre es, den ORF mit den "besten Köpfen der Medienwelt" zu besetzen. Namen will Westenthaler freilich nicht nennen: "Mir fallen da einige ein, die werde ich aber um Gottes willen nicht nennen. Manche Fehler des Jahres 2001 werde ich nicht wiederholen." Ob er wie Jörg Haider der Meinung sei, dass für die Wahl des Generaldirektors das Team der Direktoren entscheidend sei? "Natürlich ist es wichtig, welches Gesamtteam den ORF führt. Das ist natürlich nicht egal", so Westenthaler. Ein mögliches Avancement des ORF-Chefredakteurs Werner Mück - Mück wird als Informationsdirektor oder sogar als möglicher Generaldirektor gehandelt - möchte der BZÖ-Politiker nicht kommentieren. "No names und no comments about names."

Ob das BZÖ die derzeitige ORF-Chefin Monika Lindner wieder zur Generaldirektorin wählt, wenn es dafür im Gegenzug ein Regierungsamt für Westenthaler gibt? "Das ist lächerlich und völliger Unsinn. So stellt sich der kleine Fritzi die Politik vor. Es gibt unabhängige Stiftungsräte, die für die Wahl zuständig sind. Die sitzen nicht am Gängelband des BZÖ, bei uns gibt's keine Vergatterung", sagte Westenthaler, der im übrigen nicht vor habe, in dieser Legislaturperiode noch ein Regierungsamt anzutreten. "Das ist eine virtuelle Traumdiskussion." (APA)

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