Wifo sieht 2,1 Prozent Wachstum

13. Juni 2006, 10:24
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Österreichische Wirtschaft wird bis 2010 rascher als Durchschnitt des Euro-Raums wachsen - Arbeitslosenquote bleibt hoch

Wien - Die österreichische Wirtschaft wird bis 2010 real um 2,1 Prozent pro Jahr und damit rascher als im Durchschnitt des Euro-Raums wachsen. Davon geht das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in seiner jüngsten Prognose von heute, Dienstag, aus. Die Wachstumsdynamik werde jedoch nicht ausreichen, um die Arbeitslosenquote zu verringern. Die Preis- und Lohnsteigerungen blieben vor diesem Hintergrund mäßig. Die Inflationsrate dürfte in der Prognoseperiode unter der 2-Prozent-Marke bleiben.

Die Entwicklung der öffentlichen Haushalte sei mittelfristig nur sehr schwer zu schätzen, da keine Voranschläge vorliegen und das österreichische Stabilitätsprogramm nur bis zum Jahr 2008 reicht. Unter plausiblen Annahmen über die Staatsausgaben sei auf Grund der Entwicklung der Staatseinnahmen, die weitgehend vom Wirtschaftswachstum bestimmt ist, ein Rückgang des Defizits der öffentlichen Haushalte auf 0,5 Prozent des BIP im Jahr 2010 zu erwarten. Unterstellt werde dabei strikte Ausgabendisziplin, so das Wifo in einer Aussendung.

Hohe Wettbewerbsfähigkeit

Die Steigerung der internationalen Nachfrage und die hohe Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen - gemessen an den Lohnstückkosten - begünstigen in den kommenden Jahren den Export. Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und die erwartete Erholung des Wohnbaus schlagen sich in einer Ausweitung der Bauproduktion nieder. Auch der Konsum der privaten Haushalte werde seine lange Schwächephase allmählich überwinden, so das Wifo. Zudem profitieren die österreichischen Unternehmen von der jüngsten EU-Erweiterung in besonderem Maße.

Das Arbeitskräfteangebot - insbesondere an ausländischen Arbeitskräften - werde weiter kräftig steigen. Das stimuliere mittelfristig die Wirtschafts- und Beschäftigungsentwicklung in Branchen mit Arbeitskräfteknappheit, vermindere aber gleichzeitig die Chancen auf eine Verringerung der Arbeitslosigkeit, analysiert das Wifo. Die Zahl der Beschäftigten wird den Prognosen zufolge um 0,9 Prozent pro Jahr zunehmen, die Arbeitslosenquote jedoch bis zum Ende des Prognosezeitraums hoch bleiben: 5,4 Prozent laut Eurostat bzw. 7,4 Prozent nach nationaler Definition.

Die schwache Performance Deutschlands habe die österreichische Wirtschaft in den vergangenen Jahren in Mitleidenschaft gezogen. In den kommenden Jahren sollte der Wachstumsrückstand Deutschlands kleiner werden, die neue Dynamik sollte sich auch auf die österreichische Wirtschaft günstig auswirken.

Auswirkungen der Steuerreform

Die Bemühungen der österreichischen Wirtschaftspolitik zur verstärkten Förderung von Forschung und Entwicklung sollten sich mittelfristig positiv auswirken. Zudem begünstigen die Auswirkungen der Steuerreform das Wachstum in den Jahren 2006 und 2007. Von der heimischen Fiskalpolitik gehen kräftigere Wachstumsimpulse aus als in jenen europäischen Ländern, in denen wegen eines hohen Defizits größerer Konsolidierungsbedarf besteht (insbesondere Deutschland, Frankreich und Italien).

Der relativ hohe Lebensstandard wird sich laut Wifo in Österreich im internationalen Strukturwettbewerb nur halten bzw. ausbauen lassen, wenn mehr in die Zukunftsbereiche - Forschung und Entwicklung, Bildung, Infrastruktur, Informations- und Kommunikationstechnologien - investiert wird.

Mit 2,1 Prozent fällt das Wachstum bis 2010 deutlich höher aus als in den Jahren 2001/2005 (+1,5 Prozent pro Jahr), als die Entwicklung der österreichischen Wirtschaft durch die Schwäche der europäischen Konjunktur gebremst wurde. Nach der vorliegenden mittelfristigen Prognose dürfte das reale BIP 2006 bis 2010 in Österreich (+2,1 Prozent p.a.) stärker wachsen als im Durchschnitt der EU 15 (+2,0 Prozent) und des Euro-Raums (+1,8 Prozent). (APA)

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