Simon-Wiesenthal-Zentrum: Ahmadinejad von WM-Reise abhalten

12. Juni 2006, 12:15
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Debatte um WM-Reise spitzt sich zu: Rabbiner Hier schreibt Kanzlerin Merkel - SPD-Experte: "Können Tür nicht zumachen, wenn er anklopft"

Washington/Berlin - Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hat die deutsche Bundesregierung aufgerufen, deutlich zu machen, dass ein Besuch des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad bei der Fußballweltmeisterschaft "unwillkommen" wäre. Ahmadinejad von der Reise abzuhalten, wäre "der richtige Schritt", sagte Rabbiner Marvin Hier, der Leiter der jüdischen Einrichtung in Los Angeles (Kalifornien), am Montag.

Der Iran nimmt an der WM teil, und Ahmadinejad hat angekündigt, er werde nach Deutschland reisen, sollte die iranische Mannschaft das Achtelfinale erreichen. Dazu müsste sie in der Vorrunde in der Gruppe D - neben Iran Mexiko, Portugal und Angola - den ersten oder zweiten Platz belegen. Ahmadinejad, der als Staatsoberhaupt kein Einreisevisum für Deutschland benötigt, hat nach seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr den Holocaust geleugnet und erklärt, Israel solle von der Landkarte "ausradiert" werden.

"Widerspruch zum Nachkriegsdeutschland-Fundament"

Der WM-Besuch eines Präsidenten, der den Holocaust leugne und zur Vernichtung Israels aufgerufen habe, schände das Andenken an die Millionen Menschen, die von den Nazis ermordet worden seien und "steht im Widerspruch zu dem Fundament, auf dem das Nachkriegsdeutschland gebaut wurde", heißt es in einem Brief, den Hier an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schrieb. Er sei sich bewusst, dass Ahmadinejad als Staatsoberhaupt keine Einladung benötige, betont Hier. "Trotzdem glaube ich, dass Ihr Land eine moralische Verpflichtung hat, unmissverständlich und öffentlich klar zu machen, dass sein Besuch unwillkommen wäre."

SPD-Experte: "Können Tür nicht zumachen, wenn er anklopft"

SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz betonte indes, dass man Ahmadinejad nicht an einem Deutschland-Besuch hindern könne. "Wir können die Tür nicht zumachen, wenn er anklopft", sagte er der "Berliner Zeitung" (Dienstag). "Die Bundesrepublik Deutschland hat als Staat ein Problem damit, einen Staatspräsidenten unfreundlich zu behandeln." Niemand würde sich über eine Besuch Ahmadinejads freuen. "Ich hoffe, dass sich die Dinge sportlich regeln."

Als Staatsoberhaupt braucht Ahmadinejad kein Visum für Deutschland. Seine Einreise könnte ihm nicht verwehrt werden, es sei denn, der UNO-Sicherheitsrat hätte entsprechende Beschlüsse gefasst. "Wir würden ihn einreisen lassen. Er hat hier Gastrecht", sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger am Sonntagabend im Sender SWR. (APA/dpa)

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