Polizisten töten Kollegen und laufen zu Taliban über

9. Juni 2006, 16:01
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Im Mai rund 400 Menschen bei Kämpfen und Unruhen ums Leben gekommen

Kandahar/Kabul - In Südafghanistan haben Polizisten sieben ihrer Kollegen erschossen und sind anschließend zu den radikal-islamischen Taliban übergelaufen. "Die sieben Polizisten schliefen, als die anderen fünf sie töteten, ihre Waffen an sich nahmen und zu den Taliban liefen", sagte ein Sprecher der Provinz Sabul (Zabol) am Montag. Behördenvertreter hätten sich auf die Jagd nach den Überläufern gemacht.

Der jüngste Vorfall unweit der Provinzhauptstadt Kalat (Qalat) ereignete sich in einer Zeit, in der die Taliban ihren Aufstand gegen die von den USA unterstützte Regierung erheblich verstärkt haben. Mehr als 400 Menschen, die meisten von ihnen Aufständische, aber auch dutzende Sicherheitskräfte, mindestens 17 Zivilisten und vier ausländische Soldaten sind bei Kämpfen und Unruhen im vergangenen Monat ums Leben gekommen.

Führungskräfte entlassen

Am Samstag hatte Präsident Hamid Karzai dutzende Führungskräfte der Polizei entlassen. Diesen war es zuvor nicht gelungen, heftige gegen die USA gerichtete Proteste in Kabul zu verhindern. Die Vereinten Nationen forderten inzwischen weiter reichende Reformen. Der Justizapparat müsse zügig erneuert werden, sagte der UNO-Gesandte in Afghanistan, Tom Königs. Karzai müsse zudem die Entwaffnung illegaler Gruppen vorantreiben. "Eine professionelle und gut ausgebildete Polizei ist der Schlüssel für öffentliche Sicherheit."

Mit Blick auf die Unruhen vor einer Woche in Kabul sagte Königs: "Dem Ansehen Afghanistans ist großer Schaden zugefügt worden." Die Proteste waren nach dem Unfall eines US-Militärfahrzeugs ausgebrochen, das in ein Dutzend afghanischer Autos gerast war. Dabei wurden mindestens fünf Menschen getötet. Die darauf folgenden Ausschreitungen, bei denen mindestens sieben Menschen starben, waren die heftigsten in Kabul seit dem Sturz der Taliban-Regierung vor fünf Jahren. (APA/Reuters)

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