"Budapest ist ein exzellenter Platz als Airline-Drehscheibe"

12. Juni 2006, 11:48
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British-Airways-Chef Willie Walsh erklärt im STANDARD-Interview, wie er der AUA im Ostgeschäft Konkurrenz machen will

STANDARD: British Airways hält neun Prozent an der spanischen Fluglinie Iberia. Haben Sie vor, diese Anteile zu erhöhen und planen sie Beteiligungen an anderen Fluglinien, etwa an der AUA?

Walsh: Nein, unsere Kooperation mit Iberia läuft ausgezeichnet. Wir haben auch keine Pläne, andere Fluglinien zu übernehmen.

STANDARD: Was bedeutet der künftige Beitritt der ungarischen Malev zu der um British Airways orientierten Allianz Oneworld?

Walsh: Mit Malev bekommen wir ganz klar neue Möglichkeiten im Osten Europas. Malev wird nicht nur eine exklusive Rolle für BA in Richtung Osten bedeuten, sondern für die gesamte Allianz. Budapest ist als Drehscheibe ein exzellenter Platz. Wir haben die Kooperation mit Malev bereits unterzeichnet.

STANDARD: Viele Fluglinien wie etwa Austrian Airlines müssen massiv Kosten senken, um weiter existieren zu können. British Airways hat diesbezüglich viel unternommen. Können Sie uns erklären, wie man eine Fluglinie saniert? Walsh: Emotionslos.

STANDARD: Also Personalabbau, Kostenreduzierung oder wie?

Walsh: Eine Fluglinie zu führen ist tägliches Krisenmanagement. Gegenwärtig ist es bei British Airways nicht notwendig, Personal abzubauen. Aber wir müssen heuer 225 Millionen Pfund Einsparungen umsetzen. 2007 werden es nochmals 225 Millionen Pfund sein. Die Einsparungen betreffen alle Bereiche des Unternehmen. Kosten für Treibstoff, welche 2,2 Milliarden Pfund ausmachen, können wir leider nicht ändern. Unsere Personalkosten lagen im Vorjahr übrigens bei 2,3 Milliarden Pfund, das ist sogar eine Steigerung um fünf Prozent.

STANDARD: Es gab interne Pläne, Tyrolean Airways Low-Cost-Flüge ab den österreichischen Bundesländern nach Berlin, Köln und Hamburg anzubieten. Sie haben mit BA Connect eine regional agierende Gesellschaft mit niedriger Kostenbasis geschaffen. Müssen "klassische" Fluglinien mit derartigen Maßnahmen reagieren, um weiter zu bestehen?

Walsh: Die Situation ist schwierig. Mit BA Connect ist es uns das erste Mal seit zehn Jahren gelungen, dass wir auf den europäischen Kurzstrecken kein Geld mehr verloren haben. Ich rede nicht von verdienen. Sondern von Geldvernichtung. Wir haben mit 20 Millionen Pfund Verlust im operativen Geschäft auf diesen Kurzstrecken nun eine Verbesserung um sieben Million Pfund erreicht. Aber ab April 2007 muss BA Connect profitabel sein. (Die Pläne der AUA-Tochter Tyrolean Airways, mit einer Fokker 100 ab den Bundesländerflughäfen günstige Flüge nach Deutschland anzubieten, wurden von den Bundesländerairports tatkräftig unterstützt, werden nun aber nicht mehr weiter verfolgt. Anm. d. Red.)

STANDARD: Und wenn das nicht gelingt? Walsh: Es gibt nur diesen einen Weg vorwärts. British Airways muss weiterhin enorme Anstrengungen unternehmen, die Effizienz zu steigern. STANDARD: Wie soll British Airways in fünf Jahren aussehen?

Walsh: Wir müssen uns auf den Kunden konzentrieren. Das geschieht, indem wir signifikante Investitionen in Serviceverbesserungen machen, um die Führerschaft im Bereich Kundenservice zu erreichen. Allein heuer werden 100 Millionen Pfund investiert, u. a. in eine neue Business Class. Zusätzlich werden 40 Millionen Pfund in eine neue First-Class-Kabine fließen. Aber mit der Inbetriebnahme des neuen Terminal 5 ab März 2008 in London Heathrow wird BA eine neue Dimension, ein neues Gesicht bekommen. Wir werden dann massiv unsere Umsteigzeiten reduzieren können. (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.6.2006)

Zur Person

Willie Walsh ist seit Oktober 2005 CEO der British Airways (BA). Der gebürtige Ire, hat zuvor Aer Lingus aus Irland saniert
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    Hat nicht vor, sich an der Austrian-Airlines-Gruppe zu beteiligen: der CEO von British Airways, Willie Walsh.

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