Der Fußball und die Männlichkeit

5. Juni 2006, 18:22
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Am 9. Juni ist Anpfiff. Fußballer haben, Forscher sei Dank, nun die Chance, die künftige Idealposition ihrer kickenden Söhne festzulegen und das Image ihrer Frauen zu heben.

Denn "die Rolle der Partnerin eines Fußballspielers bei der Konstruktion einer idealisierten Männlichkeit "wurde rechtzeitig vor der Weltmeisterschaft erforscht und von britischen Wissenschaftern allen Fußballerfrauen ins Stammbuch Soccer &Society geschrieben.

Spielersgattin Basisimage hat "hetero-sexy" zu sein. Weiters müssen Frauen, damit ihre Fußballer Männer sein können, einer von zwei "grundsätzlichen Typologien" zugeordnet werden können: "schön und erotisch" oder "hingebungsvoll und unterstützend".

Nur Victoria Beckham muss das nicht, für sie schufen die Soziologen wegen ihrer "Widersprüchlichkeit" ihren eigenen Typus. David steht wieder einmal allein da. Mit diesem wissenschaftlichen Männlichkeitsrezept versehen, werden Fußballer nun auch an die Familienplanung erinnert. Dazu haben ihnen wieder britische Forscher eine Reproduktionsanleitung zur evolutionären Weitergabe ihrer quasi spielerisch-positionellen Gene ins Bett gelegt. Denn wer von den Kids einst Tormann oder Stürmer werden wird, hängt von der Geburtsreihenfolge und der Familiengröße ab. Laut British Medical Journal sollten fortpflanzungswillige Fußballer und ihre Männlichkeit konstruierenden Gattinnen darauf achten, dass Tormänner durchschnittlich 1,1, Verteidiger 1,8, Stürmer 2,0 und Mittelfeldspieler 2,4 Geschwister brauchen, um statistisch das zu werden, was sie sind. Und Angriffsspieler zählen tendenziell zu den jüngeren Geschwistern, denkt die Wissenschaft zu wissen.

Martin Heidegger hatte nur einen Bruder, wurde daher kein Fußballer, sondern Philosoph. Und erkannte sofort: "Wissenschaft denkt nicht." (DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 6. Juni 2006)

Andreas Feiertag
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