Telekom Austria will nach Gewinneinbruch Kosten sparen

7. Juni 2000, 12:36

Börsegang im Herbst möglich - Marktanteil liegt bei 85 Prozent

Die Telekom Austria-Gruppe hat das Jahr 1999 - das erste echte Wettbewerbsjahr nach der Liberalisierung des Telekommarktes - mit einem enormen Gewinneinbruch und einem leichten Umsatzplus abgeschlossen. Mit starken Kosteneinsparungen will sich der Ex-Monopolist für den bevorstehenden Börsegang fit machen, sagte der neue Generaldirektor Heinz Sundt heute, Mittwoch, bei der Bilanzpressekonferenz. Ein Going Public sei im November möglich, genaue Details sollen Ende Juni bekanntgegeben werden. Die geplante Tarifreform soll ab September umgesetzt werden.

Der verstärkte Wettbewerb, gesteigerte Kosten im Zusammenschaltungsbereich, die ein Loch von 1,6 Mrd. S hinterließen, und beim Handelswareneinsatz durch die stark subventionierten Handys ließen den Betriebserfolg (EBIT) der Telekom Austria-Gruppe (Telekom Austria AG inklusive Mobilkom, Datakom und Internettochter Highway 194) im Vorjahr um 46 Prozent auf 6,2 Mrd. S (451 Mill. Euro) sinken. Das Ergebnis vor Steuern (EGT) reduzierte sich um rund 60 Prozent auf 3,5 Mrd. S, das Eigenkapital von 49,3 Mrd. S auf 48 Mrd. S. Allein der Umsatz stieg um knapp 10 Prozent von 46,6 Mrd. S auf 51, 2 Mrd. S. Dieser Trend setzte sich auch heuer fort: Die ersten fünf Monate im laufenden Jahr seien durch "überproportionales Anwachsen der Kosten" geprägt gewesen, so Sundt.

Den Hebel zur Kostenreduktion muss Sundt vor allem im Personalbereich ansetzen. Längerfristig soll ein Drittel der gesamten Belegschaft abgebaut werden, die sich im Vorjahr von 18.720 auf 18.650 Vollzeitkräfte reduziert hat. Für den Sozialplan hat die Telekom Austria (TA) in der Bilanz 1999 Rückstellungen von rund 1 Mrd. S getätigt.

Die im Festnetzbereich tätige TA verlor im Vorjahr 370.000 Anschlüsse, die teilweise in ISDN-Anschlüsse umgewandelt oder zu Gunsten eines Mobiltelefons aufgekündigt wurden, und die die Zahl der Telefonhauptanschlüsse auf 3,2 Mill. sinken ließen, erläuterte Sundt. Der Umsatz der TA (inklusive Internetbereich) stieg um 4,1 Prozent von 36,8 Mrd. S auf 38,3 Mrd. S, das EBIT sank hingegen von 8,1 Mrd. S auf 3,4 Mrd. S.

Der Marktanteil der TA im Festnetzbereich lag auf Basis der verrechneten Minuten per Ende 1999 bei 85 Prozent. "Die Marktanteilsverluste im Festnetz werden sich weiter verlangsamen", prognostizierte Sundt. Die Mobilkom werde ihren Marktanteil von 53 Prozent auf Grund des Starts von tele.ring als viertem Betreiber künftig nicht halten können und sich auf rund 45 Prozent einpendeln, so Sundt. Große Marktzuwächse erwartet die TA hingegen im Internetbereich, wo die Internettochter A-Online (Highway 194) bereits 22 Prozent des Privatkundenmarktes bestreitet. "Das Internetgeschäft ist im Vorjahr um 73,7 Prozent auf 3,3 Mrd. S Umsatz angewachsen", berichtete Sundt. (APA)

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