Alan García

7. Juni 2006, 16:31
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Zweite Chance für ein Schreckgespenst

Einige Kilos angefuttert hat sich Alan García seit seiner turbulenten Amtszeit von 1985 bis 1990. Doch das hielt den frisch gebackenen Präsidenten nicht davon ab, während des Wahlkampfs in Peru auf der Bühne stets ein paar flotte Tanzschritte hinzulegen. Und seinem Charisma und seiner Redegewalt sind die Jahre auch nicht anzumerken. Jedem Publikum erzählt er mit schlafwandlerischer Sicherheit genau das, was es hören will.

Für die Unternehmer und Betuchten war der große, adrette 57-Jährige lange Zeit ein Schreckgespenst. Während seiner Amtszeit verstaatlichte er die Banken und verkündete ein Schuldenmoratorium. Peru geriet in die Hyperinflation und wurde ein internationaler Paria-Staat.

Er habe aus der Vergangenheit gelernt, beteuert García. Heute verspricht er soziale Verbesserungen statt Verstaatlichungen und ein für Investoren freundliches Klima. "Zwischen der rechten Kontinuität von Flores und den abenteuerlichen Horden von Humala stehe ich", verkündet er. Dieses "gemäßigte Auftreten" brachte ihm in der Stichwahl die Stimmen der Konservativen, deren Kandidatin Lourdes Flores in der ersten Runde ausgeschieden war und die in dem bekehrten Sozialdemokraten das kleinere Übel sahen im Vergleich zum polternden Populisten und Ex-Militär Ollanta Humala.

García stammt aus einer katholischen Mittelschichtfamilie der Hauptstadt Lima. Sein Vater war in der damals radikal antiimperialistischen Apra-Partei tätig und saß in den ersten Lebensjahren Alans in Haft. Mit 17 trat auch Alan der Apra bei und wurde rasch zum Favoriten von Parteigründer Raúl Haya de la Torre. Sein Jurastudium vervollständigte er in den 70ern in Paris, wo er sich intensiv dem Nachtleben widmete und als Barsänger ein Zubrot verdiente. Der Stadt an der Seine blieb er stets verbunden - dorthin flüchtete er 1992 nach dem Selbstputsch des Präsidenten Alberto Fujimori, der das Parlament auflöste und gegen García wegen Korruption einen Haftbefehl erwirkte. Bis zu Fujimoris Sturz 2000 lebte García im Exil in Frankreich und Kolumbien, doch die Zügel der Partei hielt der Caudillo mittels untergebener Statthalter stets fest in der Hand. 2001 versuchte er ein Comeback, wurde aber von Alejandro Toledo geschlagen.

Ein Makel seiner Amtszeit ist die Korruption. Viele Millionen soll er auf die Seite gebracht haben - darunter Schmiergelder aus der Stadtbahn, die in Lima geplant war und von der nur Ruinen übrig sind. Alle Verfahren gegen ihn verjährten oder wurden eingestellt. Mit diesem Ruf möchte García aber nicht in die Geschichte eingehen. Der mit einer Argentinierin verheiratete fünffache Vater gilt als sehr eitel - Fotografen dürfen ihn nur von seiner "Schokoladenseite" fotografieren. (Sandra Weiss/DER STANDARD, Printausgabe, 6.6.2006)

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    Alan García, Präsident

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