"Gedächtnis" der Kirche Salzburgs auf 9,6 Kilometern Regallänge

12. Juni 2006, 12:34
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Erzdiözese eröffnete neues, vollklimatisiertes Archiv - 10.000 unbeschriftete Fotos - Wertvolle Handschriften von Wolfgang Amadeus Mozart

Salzburg - Das neue Archiv der Erzdiözese Salzburg bewahrt zahlreiche Kostbarkeiten auf, die auch für Familien- und Heimatforscher interessant sind. Die Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher der Pfarren wurden auf Mikrofiches verfilmt und können mit Hilfe eines Lesegerätes abgerufen werden. Auf 9,6 Kilometer Regallänge der Depoträume werden auch jahrhundertealte Chorbücher, 3.000 Urkunden und viele Handschriften aufbewahrt, wie zum Beispiel die "Spatzenmesse" von Wolfgang Amadeus Mozart.

"Die alten Bücher fühlen sich hier pudelwohl", freut sich der Leiter des 2.000 Quadratmeter großen Diözesanarchivs, Ernst Hintermaier. Dort ist auch jenes berühmte Taufbuch der Dompfarre archiviert, in dem die Taufe von Wolfgang Amadeus Mozart am 28. Jänner 1756 eingetragen wurde.

Fünf Magazine

Das Archiv befindet sich im Kardinal-Schwarzenberg-Haus am Salzburger Kapitelplatz, das um acht Millionen Euro umgebaut und im Mai eröffnet wurde. Neue Räume erhielten auch die Dom-Musik und das Dom-Museum. Das "Gedächtnis der Kirche" schlummert in insgesamt fünf Magazinen. Vier davon sind vollklimatisiert und weisen 18 Grad Raumtemperatur und 50 Prozent relative Luftfeuchtigkeit auf, damit sich kein Schimmel bilden kann.

Die verfilmten Personenstandsbücher (Matriken) liegen fachgerecht bei rund neun Grad in einer "Klimabox" im Keller. Nicht nur für Ahnenforscher, auch für Laien sind die Aufzeichnungen in den Tauf-, Trauungs- und Sterbebüchern ein wahrer Schatz. Elektronisch gespeichert wurden zudem 10.000 unbeschriftete Fotos. Zeit zur Identifizierung der abgebildeten Personen und Örtlichkeiten bleibt den fünf Archivmitarbeitern kaum. "Uns läuft auch die Zeit davon, bald weiß keiner mehr, wer diese Leute sind", bedauert Hintermaier.

Die historischen Dokumente, davon mehr als 500 kirchliche Frühdrucke, lagerten vor dem Umbau in den ehemaligen Stallungen des erzbischöflichen Palais. In den 1980er Jahren, als viel beschädigtes Material aus den Pfarren herangekarrt wurde, platzten die Lagerräume aus allen Nähten.

Ein Teil der Regale, auf denen insgesamt 69.000 Archivkartons Platz finden, ist noch leer. Raum genug für 500 Bananenschachteln aus dem Borromäum und die vielen Dokumente, die noch unsachgemäß in den Pfarren lagern. In St. Gilgen wurde eine alte Kiste mit doppeltem Boden gefunden, in dem das älteste Chorbuch der Kirchenprovinz, Orlando di Lassos Chorbuchdruck aus 1587, versteckt war.

Zu den Kostbarkeiten zählen die Schedel'sche Weltchronik aus 1493, die das Archiv von der Pfarre St. Georgen bei Oberndorf als "Morgengabe" bekommen hatte, und das Messbuch "Missale Saltzeburgense" aus 1507. Bis 1920 wurden handgeschriebene Partituren auf die Messpulte gelegt, darunter eine autographe Sakramentslitanei von Leopold Mozart aus 1762 für ein 40 stündiges Gebet im Salzburger Dom, die sein Sohn Wolfgang dann mit der Hand korrigiert hat. (APA)

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