Deutsche Börse gibt nicht auf

13. Juni 2006, 09:54
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Auch wenn es nach dem Zuschlag für die Nyse aussichtslos scheint, wollen die Frankfurter weiter um die Vierländer-Börse werben

Frankfurt - Die Deutsche Börse plant einem Zeitungsbericht zufolge für die nächsten Tage einen neuen Anlauf im Kampf um die Verländerbörse Euronext. Die Frankfurter wollen nach Informationen der britischen "Independent" (Montag) in dieser Woche nochmals auf Anteilseigner der Vierländerbörse Euronext zugehen, um sie doch noch für eine Fusion der beiden europäischen Börsen zu gewinnen.

Ein Sprecher der Deutschen Börse sagte dazu am Montag lediglich, das Unternehmen werde weiterhin an einem Zusammenschluss mit der Euronext arbeiten. Die Euronext hatte sich vergangene Woche mit der New Yorker Börse NYSE auf eine Fusion geeinigt.

Kritik

Allerdings gibt es unter den Euronext-Anteilseignern laut Medienberichten auch Stimmen gegen die transatlantische Fusion. Die "Financial Times" berichtet, zu den führenden Kritikern eines Zusammengehens mit der Nyse gehöre die französische Großbank BNP Paribas. Dies habe auch zu Spekulationen über einen möglichen Interessenkonflikt geführt: So habe ein ranghoher BNP-Berater, Dominique Hoenn, Vize-Chef des Euronext-Aufsichtsrates, gegen eine Fusion mit der NYSE gestimmt. Hoenn sitzt auch im Verwaltungsrat von Clearstream, einer Tochter der Deutschen Börse, die für die Abwicklung von Börsengeschäften und die Aufbewahrung der Wertpapiere sorgt.

Die Euronext besteht aus den Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon. Zudem hat sie einen Terminmarkt-Ableger in London. Das Unternehmen hatte das NYSE-Angebot den bisherigen Offerten der Deutschen Börse vorgezogen. Erforderlich sind noch die Zustimmung der Aktionäre beider Unternehmen sowie der Wettbewerbshüter.

Russland als Alternative

Bei einer Suche nach Alternativen zu Euronext kann die Deutsche Börse schon einmal nicht auf die russische Interbanken-Devisenbörse MICEX zählen. "Ich kann in den nächsten Jahren nichts anderes sehen als einen unabhängigen russischen Börsenplatz", sagte der Vizepräsident des größten russischen Handelsplatzes (Moscow Interbank Currency Exchange/MICEX), Alexej Rybnikow, in Moskau. Die Konsolidierung sollte als erstes innerhalb Russlands mit den Regionalbörsen verlaufen.

Experten sehen Osteuropa mit dem wichtigsten Markt Russland für die Deutsche Börse als eine mögliche Alternative zu einer Fusion mit Euronext. Die Deutsche Börse war vor wenigen Tagen in Moskau und Sankt Petersburg auf Werbetour gegangen, um sich als attraktiver Handelsplatz mit geringen Kosten zu präsentierten. Als weitere mögliche Alternativen in Europa gelten für die Deutsche Börse noch Zürich, Madrid und Mailand. (APA/dpa)

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