Nachlese: Bawag fixiert US-Vergleich

19. Juni 2006, 16:21
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Gewerkschaftsbank zahlt 527 Millionen Euro und öffnet die Bücher, Aufteilung des Bawag-Kuchens macht Weg für Verkauf frei

Wien - Der 675 Millionen Dollar (525 Mio. Euro) schwere Vergleich der Gewerkschaftsbank Bawag P.S.K. mit den US-Behörden und Refco-Gläubigern ist auf Schiene. Die US-Behörden haben in den Nachmittagsstunden des Pfingstmontags die Vereinbarung bestätigt. Demnach fließen je 75 Mio. Dollar sofort an Refco-Gläubiger und Sammelkläger, der Rest muss beim Verkauf der Bank - spätestens binnen eines Jahres - über den großen Teich wandern. 75 Prozent davon - also 506 Mio. Dollar - sollen laut der Online-Ausgabe des Wall Street Journal (WSJ) an die Refco-Gläubiger fließen samt Dokumenten, die ihnen einen besseren Einblick in ihre Prozesse gegen Refco-Manager ermöglichen. Die Anwälte der Refco-Gläubiger haben der Bawag Mitschuld ("partners in crime") an der Refco-Insolvenz gegeben und mit Milliardenklagen gedroht.

Der Rest soll an US-Behörden und Refco-Investoren fließen, einiges davon durch einen Opferfonds. Thomas H. Lee Partners, das Bostoner Private-Equity-Unternehmen, das 2004 einen kontrollierenden Anteil an Refco erworben und Refco bei seinem Börsengang 2005 geholfen hat, soll dem Vernehmen nach 50 Mio. Dollar erhalten.

Der ÖGB muss den Vergleich dann mitzahlen, wenn er für die Bank beim Verkauf mehr als 1,8 Mrd. Euro erlöst. Dann fließen 20 Prozent vom Mehrerlös - höchstens aber 200 Mio. Euro - ebenfalls in die USA.

Lang ersehnte Zustimmung

Nachdem das lang ersehnte Okay der Amerikaner nun vorliegt, tritt heute die Bundesgarantie in Höhe von 900 Mio. Euro für die Bawag in Kraft, was Voraussetzung dafür ist, dass die Wirtschaftsprüfer die Bilanz 2005 testieren, in der die Vergleichskosten und die Refco-Kreditverluste bilanziert werden. Um 14 Uhr tritt der Bawag-Aufsichtsrat zur Bilanzsitzung zusammen. Danach soll die Bawag-Hauptversammlung die Bilanz 2005 beschließen.

Die von Refco- und Karibikskandalen fast in den Abgrund gerissene Gewerkschaftsbank ist aber erst dann aus dem Schneider, wenn ein kapitalstarker Partner da ist - die Bank also verkauft ist. Erst dann bekommt sie ihre früher guten Ratingnoten zurück.

Bis zuletzt soll der nun abgesegnete Deal laut WSJ Gegenstand eines regelrechten Verhandlungskrimis gewesen sein. Der Vergleich sei "erst nach einer Serie von kontroversiellen Meetings und pokerartigen Bluffs zustande gekommen, die die Vereinbarung noch ruinieren hätten können", schreibt die Zeitung unter Berufung auf einen Insider. (APA, bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.6.2006)

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    Der Vergleich der Bawag mit den Refco-Gläubigern und den US-Behörden steht. Nach dem OK aus den USA kann nun die Bilanz für 2005 testiert werden.

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