Ahmadinejad will Fußball-WM besuchen

8. Juni 2006, 20:26
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Falls Nationalmannschaft die Vorrunde übersteht - Berlin zurückhaltend - Präsident braucht kein Visum für Deutschland

Berlin/Teheran - Mit deutlicher Zurückhaltung hat die deutsche Bundesregierung auf die Ankündigung des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad reagiert, die Fußball-WM in Deutschland zu besuchen. Er will das dann tun, wenn die iranische Nationalmannschaft die Vorrunde übersteht. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte am Pfingstwochenende, man beschäftige sich mit der Frage erst, wenn sie sich auch wirklich stelle. Ahmadinejad hat wegen seiner Atompolitik und israel-feindlicher Äußerungen weltweit für Besorgnis gesorgt.

Als Staatsoberhaupt braucht der iranische Präsident kein Visum für Deutschland. Seine Einreise könnte nicht verwehrt werden, es sei denn, der UN-Sicherheitsrat hätte entsprechende Beschlüsse gefasst. "Wir würden ihn einreisen lassen. Er hat hier Gastrecht", sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger am Sonntagabend in der SWR-Fernsehsendung "Sport im Dritten".

Öffentliche Kritik

Der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, setzte sich für den Fall einer WM-Visite des iranischen Präsidenten für entschiedene öffentliche Kritik an den politischen Positionen Ahmadinejads ein. In einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk sagte er, wenn der iranische Präsident zur WM komme, "dann muss man ihm natürlich in aller Deutlichkeit klar machen, dass das, was er ... verkündet, absolut unakzeptabel, verbrecherisch und weit von der Realität entfernt ist".

Begrüßen könne man jemanden, der die Wirklichkeit des Holocaust nicht zur Kenntnis nehmen wolle, "ganz sicher nicht". Der Fußball sei aber eine Chance, den Menschen "ihren Irrweg klar zu machen".

Trikot mit der Nummer 24

Das iranische Staatsoberhaupt hatte seine Ankündigung am Samstag bei einem Empfang für Spieler und Betreuer in Teheran gemacht, bei dem ihm ein Trikot mit der Nummer 24 und seinem Namen überreicht wurde. Der iranische Botschafter Mohammed Mehdi Ahundsade erklärte jedoch bei der Ankunft der Nationalmannschaft seines Landes am Sonntag in Friedrichshafen am Bodensee, ein Besuch Ahmadinejads sei bisher noch nicht geplant.

Bei seiner dritten WM-Teilnahme trifft der Iran auf Mexiko, Portugal und Angola. Um erstmals das Achtelfinale zu erreichen, muss die Mannschaft des kroatischen Trainers Branko Ivankovic einen der ersten beiden Plätze in der Gruppe D belegen. (APA)

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    Iranische Fußballfans hießen das iranische Team am Sonntag bei seiner Ankunft in Friedrichshafen willkommen.

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